DELMENHORST - „Lehrer sind dafür da, Kindern Lesen, Schreiben und andere Kulturtechniken beizubringen“, sagt Karen Ebers, Schulleiterin der Grundschule Am Grünen Kamp. „Aber damit die Kinder das auch wirklich lernen, brauchen sie Sicherheit und Geborgenheit. Sie müssen sich angenommen fühlen.“

Oft geht dieses Gefühl im Alltag verloren – Streitigkeiten unter Mitschülern oder Probleme in der Familie sind häufige Gründe dafür, dass Kinder nicht mehr richtig dem Unterricht folgen können. Die Lehrer sind aber teilweise damit überfordert, sich um die Probleme aller ihrer Schüler zu kümmern und auf jeden individuell einzugehen.

Darum gibt es seit vergangenem Herbst zwei Sozialarbeiter an der Grundschule in Düsternort, die Ebers als „Brennpunktschule“ bezeichnet. „Wir haben hier einen Migrationsanteil von 53 Prozent und einen Anteil von Hartz IV-Empfängern von 38 Prozent“, sagt sie. Umso besser findet sie, dass sie „in den Genuss“ der beiden Sozialarbeiter Tobias Kanzok und Svenja Wolf kommt. Sie sind bei der Delmenhorster-Jugendhilfe-Stiftung angestellt und arbeiten in Vollzeit an der Schule. Und nun haben sie auch frisch umgestaltete Räume, in denen sie sich um die Schüler kümmern können. In der alten Schulwohnung, aus der der Hausmeister vor zweieinhalb Jahren ausgezogen ist, haben sie sich eingerichtet.

Denn sie bieten nicht nur Sozialtraining in der Schulzeit, sondern haben auch Nachmittagsangebote wie Sportspiele oder eine Foto AG. Außerdem helfen sie Streitigkeiten zu lösen und hören bei Problemen zu. Dies geschieht zum Beispiel im „Mädchencafé“, das hauptsächlich in Pink gestaltet ist. Für die Jungs der ersten und zweiten Klassen gibt es den „Jungs-Club“, für die dritten und vierten die „Männerrunde“, in der auch schon mal über Gefühle und Aufklärung gesprochen wird. „Über diese Themen reden die Jungs ungerne mit ihren Lehrerinnen. Da kommen sie lieber zu mir“, sagt Kanzok.

Unliebsame Themen – wie Probleme mit den Kindern – können auch die Eltern mit den Sozialarbeitern besprechen, die eigens dafür eine extra gemütliche Sitzecke in ihren neuen Räumen eingerichtet haben. Den Eltern können Kanzok und Wolf soziale Unterstützung anbieten oder sie an andere Institutionen vermitteln.

„Der Bedarf an Sozialarbeitern an Schulen ist sehr hoch“, sagt Merle Siedenburg, Projektleiterin für Sozialarbeit an Schulen bei der Delmenhorster-Jugendhilfe-Stiftung. „Es gibt immer wieder Kinder, die aus verschiedenen Gründen nicht dem Unterricht folgen können. Manchmal sind die schwerwiegend. Da braucht man Leute, die auch mal genauer hingucken können.“ Seit beinahe vier Jahren gibt es das Projekt schon, an dem sich acht Delmenhorster Schulen beteiligen.