DELMENHORST - Der Käthe-Kollwitz-Schulexpress ist angerollt – aber anders, als man jetzt denken könnte: Denn statt auf PS-starkes Gerät setzt die Schulleitung ihre Hoffnungen künftig auf das Leistungsvermögen der kindlichen Füße. „Wir wünschen uns, dass das Elterntaxi ausgedient hat“, erklärt Rektor Herbert Quantz.
Gefährliche Situation
Rückblick: Immer wieder ist es in der Vergangenheit zu „teils brandgefährlichen Situationen“ gekommen, verursacht durch Väter und Mütter, die es gut meinten und den Nachwuchs mit dem Auto zur Grundschule chauffierten. Besonders zu den Stoßzeiten sei dann an der Hasberger Straße das Chaos ausgebrochen. „Die Kinder sind ohne zu gucken querfeldein über den Parkplatz gelaufen“, erinnert sich der Rektor mit einem leichten Grauen zurück. Zwar habe es außer ein paar Blechschäden keine ernsteren Unfälle gegeben. Dennoch sei das Risiko einfach zu hoch gewesen.
Gemeinsam mit Verena Nölle vom Verein Schulexpress wurde nach einer Lösung gesucht. Diese ist so simpel wie erfolgreich: Die Schüler sollen wieder ans Laufen gewöhnt werden. Aber weil alleine gehen, bekanntlich langweilig ist, treffen sie sich ab sofort an eigens für sie eingerichteten blauen Haltestellenschildern, um anschließend in der Gruppe den Schulweg anzutreten. „Zwölf Schilder wurden aufgestellt“, sagt Quantz. Sie alle befinden sich in der unmittelbaren Nähe des Wohnorts. „Kein Schulweg ist länger als 2,5 Kilometer. Das ist durchaus machbar“, führt der Schulleiter weiter aus. Falls doch, sollten Eltern auf die direkte Fahrt zur Schule verzichten. „Es reicht, wenn der Nachwuchs zum Haltepunkt gebracht wird“, meint Quantz.
Selbstständige Kinder
Die Erfolgsquote scheint für sich zu sprechen: „Dort, wo der Schulexpress bereits angelaufen ist, hat sich der Autoverkehr rund um die Schule bereits reduziert“, so Verena Nölle.
Herbert Quantz gibt sich keinen Illusionen hin: „Alle Eltern wird man nicht überzeugen können. Aber es wäre schön, wenn die Erst- und Zweitklässler da hineinwachsenen.“
Selbstständig denkende Kinder zu erziehen, ist das langfristige Ziel. „Sich den Schulweg ohne Mama oder Papa zuzutrauen, erzeugt schließlich auch ein Gefühl von Stärke.“ Und wer trotzdem keine Lust auf Laufen hat? „Der kann gerne das Fahrrad nehmen.“
