DELMENHORST - Es ist keine gewöhnliche Studienfahrt, auf die sich die 16 Schüler und ihre vier Lehrer des Gymnasiums an der Willmsstraße einlassen: Nicht Rom oder Prag, sondern China sehen und erleben, ist das Ziel einer 17-tägigen Reise. Los geht es am 12., zurück am 29. April, dazwischen befindet sich ein voll gestopftes Kulturprogramm. Und weil diese Fahrt tatsächlich mit vorherigen nicht zu vergleichen ist, spricht Rektor Burkhard Leimbach auch von einer „außerordentlichen Qualifizierungsmaßnahme“, die seine Schützlinge im Reich der Mitte erwartet. Damit dürften wohl auch letzte Zweifel ausgeräumt sein, dass es sich um keinen Vergnügungstrip handelt.

Die meisten der 15- bis 18-Jährigen waren noch nicht in dem riesengroßen fernöstlichen Land, in dem 1,3 Milliarden Menschen leben, davon knapp 15 Millionen in der Hauptstadt Peking. Vorbereitet fühlen sich die Jugendlichen trotzdem: In der China-AG des Gymnasiums haben sich die meisten von ihnen schon Sprachkenntnisse angeeignet, die über das einfache „Ni hao“ („Hallo!“) hin­ausgehen und so eine Verständigung vor Ort möglich machen. Aber auch mit dem chinesischen Knigge, erzählt Kursteilnehmer Lars Kracht, habe man sich schon intensiv auseinandergesetzt: „Die Landesküche war ein Thema. Chinesen empfinden es als unhöflich, wenn angebotene Speisen von vornherein ablehnt werden. Besser ist es, die „Delikatesse“ zumindest mal probiert zu haben.“ Oder, fügt er hinzu, von vornherein zu sagen, man sei Vegetarier. „Allerdings könnte es passieren, das einem dann eine Menge entgeht.“

Neue Kontakte und Freundschaften knüpfen, vielleicht schon erste Weichen mit Blick auf die berufliche Zukunft stellen, sind einige Gründe, warum die Schülerinnen und Schüler die Strapazen dieser Reise auf sich nehmen. Natürlich auch, um einzutauchen in einen ihnen völlig neuen Kulturkreis, zu dem häufig noch nicht einmal westliche Medien Zugang haben. „Unsere Chinesisch-Lehrerin Rong Fang Cao hat es möglich gemacht, dass wir nicht nur touristische Highlights wie Verbotene Stadt oder Chinesische Mauer besichtigen werden, sondern auch Zugang zu eher nicht-öffentlichen Orten wie dem VW-Werk in Anting oder der Tongji-Universität in Shanghai erhalten“, ist Reise- und stellvertretende Schulleiterin Angelika Delker stolz. Botschafter Deutschlands seien sie und wollen ihr Land bei einem Zusammentreffen mit chinesischen Studenten würdig vertreten. Zusammen mit Rong Fang Cao haben sie eigens eine Spezialversion des bekannten Lieds „Bruder Jakob“ auf Chinesisch einstudiert.

Die unbekannten Seiten Chinas wollen sie entdecken, dazu gehört es, dass sie auch in einem landestypischen Hotel absteigen, die deutsche Familie Kubicek mit ihren beiden Töchtern in Peking, ein Teemuseum, den Sommerpalast und vieles mehr besichtigen… Bleibt zu hoffen, dass die Schüler mit einem ausgeglichenen Yin und Yang nach Delmenhorst zurückkehren.