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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Bildung

Dem Patienten ging es schon besser

25.03.2017

Oldenburg Der Traum von einem Medizin-Studiengang in Oldenburg ist fast so alt wie der Wunsch nach einer Universität. Bereits in den 60er Jahren waren es Ärzte der Oldenburger Krankenhäuser, die ein solches Projekt planten. Indes kam es anders. Und das mehrfach.

Bereits 1971 hatte der Gründungsausschuss für die Universität Oldenburg eine „Planungskommission Medizin“ eingerichtet. Die Landesregierung lehnte den Aufbau eines Medizinischen Fachbereichs damals jedoch aus finanziellen Gründen ab.

Es gab nach der Gründung der Universität zahlreiche weitere Anläufe, die letzten scheiterten 1989 und 1999. Eine medizinische Fakultät blieb dem Standort verwehrt, obwohl zwischenzeitlich alle drei Oldenburger Klinken als Lehrkrankenhäuser fungierten – allerdings für die Universität Göttingen.

Doch man ließ nicht nach: Zu verdanken ist dieses Projekt nicht zuletzt Medizinern mit bundesweit exzellenter Reputation und Wissenschaftlern von internationalem Ruf. Alle in Oldenburg. Vor gut zehn Jahren trafen sich der damalige Präsident der Universität Oldenburg, Professor Siegfried Grubitzsch, der international renommierte Neurobiologe Professor Reto Weiler und der 2002 von Hannover nach Oldenburg gewechselte und weit über die Landesgrenzen bekannte Chirurg Professor Dr. Hans-Rudolf Raab (damals Klinikum Oldenburg).

Es ging nicht mehr und nicht weniger als um die Einrichtung einer medizinischen Fakultät an der Carl von Ossietzky Universität. Die drei Männer trieben das Projekt voran, Grubitzsch verließ später die Uni, Raab und Weiler machten allein weiter – durchaus ermutigt vom damaligen Wissenschaftsminister, dem Oldenburger Lutz Stratmann. Und es ging voran, das Projekt nahm immer konkretere Züge an.

Selten war der Nordwesten so einhellig überzeugt von einem Projekt. Es wurde als gemeinsame historische Chance begriffen – und ergriffen. Eindeutiges Zeichen für die gemeinsame Überzeugung war der 30. März 2011. Der 5. „Nordwest-Award“ ging nach Oldenburg.

Die Finanzierung durch das Land Niedersachsen war noch keineswegs gesichert, aber die Gründung der European Medical School Oldenburg/Groningen (EMS) mit einem gemeinsamen Studienangebot Humanmedizin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit rückte näher.

Es ging aber noch um die Finanzierung durch das Land. Nach einem Besuch im Juni 2012 bei den künftigen Partnern in Groningen war Ministerpräsident David McAllister offenbar überzeugt. Die Grundlage für die Gründung der Fakultät legte dann der niedersächsische Landtag mit großer Mehrheit endgültig mit einem Gesetz über die rechtlichen Rahmenbedingungen für die European Medical School Oldenburg-Groningen. Das Gesetz trat am 15. Juli 2012 in Kraft.

Gelungene Operation

Die Operation European Medical School gelang voll und ganz. Dem sensationellen Votum des Wissenschaftsrates vom November 2010, nach 20 Jahren in Deutschland erstmals wieder an einer Hochschule eine medizinische Fakultät einzurichten, hatten anfangs bundesweit geäußerte Bedenken und Störfeuer der Unikliniken Göttingen und Hannover gefolgt. Zu spät, der Oldenburger Patient war über den Berg. Insgesamt 57,5 Millionen Euro fließen in fünf Jahren in dieses einzigartige Projekt.

Ganz entscheidend: Im Nordwesten hatte sich längst eine Bewegung in Marsch gesetzt, um diesen Medizin-Studiengang zusätzlich finanziell zu beatmen. Denn das war Bedingung des Landes. Die Entscheidungs- und Meinungsträger der Region, die ganz früh den Medizinstudiengang als dauerhafte Standort-Frischzellenkur begriffen hatten, waren längst in Aktion getreten. Der Verein der Freunde und Förderer der Nordwest-Medizin warb weit im Vorfeld unermüdlich im Oldenburger Land, in Ostfriesland und darüber hinaus für das Projekt – mit Erfolg. Selbst aus dem notorisch klammen Bremen floss Geld.

Der Förderverein, der sich 2009 gegründet hat und im Frühjahr 2011 im gesamten Nordwesten damit begann, um Geld zur Unterstützung der European Medical School zu bitten, sammelte in nur zwei Jahren fünf Millionen Euro für den Medizinstudiengang ein. Das Geld stammt von Firmen, Banken und Privatpersonen aus dem gesamten Nordwesten. Auch die Landkreise und Städte unterstützen den neuen Studiengang.

Die Region hat eine Chance ergriffen, die sich vielleicht nur einmal in einem Jahrhundert bietet. Am 1. Oktober 2012 kamen die ersten 40 Studierenden. Doch mit dem Alltag kamen auch die Probleme.

Prof. Dr. Eckhart Hahn, Gründung- und erster Dekan der Fakultät 6, verließ Oldenburg bereits wieder im Februar 2013, weil er sich mit der damaligen Uni-Präsidentin Prof. Dr. Babette Simon überworfen hatte, die offenbar alles und jeden kontrollieren wollte. Es folgte im Dekanat für den Übergang eine gut funktionierende Doppelspitze mit dem ehemaligen Staatssekretär im niedersächsischen Wissenschaftsministerium, Dr. Josef Lange, und dem ehemaligen Klinikdirektor und Wissenschaftler an der Uniklinik Münster, Prof. Dr. Erik Harms. Das Duo hielt den Betrieb auf Temperatur. Doch im Hintergrund bildete sich derweil eine immer größer werdende Baustelle: Die drei Oldenburger Krankenhäuser sollten sich zusammenraufen, um ein Universitäts-Klinikum entstehen zu lassen. Bis heute redet man mehr übereinander als miteinander.

Ein weiteres Problem im Laufe der Jahre: Schätzungsweise 80 Prozent der berufenen Lehrstuhlinhaber verließen die EMS wieder schnell.

Machtkämpfe

Im Sommer 2014 rückte dann Prof. Dr. Gregor Theilmeier als hauptamtlicher Dekan an die Spitze der Medizin-Fakultät. Da hatte sich die Uni-Präsidentin schon längst aus Oldenburg in Richtung Mainz verabschiedet. Prof. Dr. Katharina Al-Shamery übernahm kommissarisch im April 2014 das Amt der Uni-Präsidentin. Neuer Präsident wurde schließlich im August 2015 Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper, er kam aus Düsseldorf nach Oldenburg. Doch das Personalkarussell war damit nicht gestoppt: Ein Jahr später stellte Theilmeier das Amt des Dekans zur Verfügung. Die Nachfolge wurde wieder kommissarisch gelöst: Chirurgin Prof. Dr. Martina Kadmon übernahm das Amt.

Für viele war schnell klar, dass Kadmon auch die richtige Person als hauptamtliche Dekanin sein würde. Der Fakultätsrat wählte die Medizinerin auch. Nun war es am Präsidium der Uni, so schnell wie möglich zu handeln. Stattdessen zog sich der Prozess in die Länge. Dem Vernehmen nach ging es ums Geld. Kadmon wechselt nach Augsburg – und es gibt schon wieder eine kommissarische Lösung mit Prof. Dr. Gerd Nothwang.

Diese Entwicklung tut dem Studiengang nicht gut. Es ist eine gefährliche Mischung aus persönlichen Eitelkeiten, Machtkämpfen und viel zu schnell wechselndem Personal. Und die Uhr tickt: Die Fakultät muss sich bereits in den Vorbereitungen auf die Beurteilung (Evaluation) des Studiengangs durch den Wissenschaftsrat 2018/19 befinden. Dass der Wissenschaftsrat nicht mehr vor Begeisterung „Hurra“ schreien wird, müsste allen deutlich sein.

Da hilft nur noch ein gutes Konzept zur Weiterentwicklung des Studiengangs. Der Nordwesten hat damals eine Jahrhundertchance bekommen. Man darf sie nicht aufs Spiel setzen.

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Norbert Wahn Redakteur / Politikredaktion
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