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Aktualisiert vor 5 Minuten.

Unfall In Oldenburg
Mehrere Fahrzeuge auf A28 verunglückt – Teilsperrung

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„Es gab doch gar keine Anzeichen“

27.11.2014

Delmenhorst /Ganderkesee /Oldenburg /Wilhelmshaven Ein Zeitungsfoto, aufgenommen im August 1997: Zehn junge Menschen in weißen Kitteln lächeln fröhlich in die Kamera, sie haben gerade am Wilhelmshavener St.-Willehad-Hospital ihre Abschlussprüfung zum Krankenpfleger bestanden. Mittendrin, als Dritter von links: Niels H., 20 Jahre alt; er lächelt besonders stolz.

17 Jahre später steht H. in Oldenburg vor Gericht; er steht unter Verdacht, bis zu 200 Krankenhaus-Patienten ermordet zu haben.

Seit September vor Gericht

Niels H. war 2005 in Verdacht geraten, den Tod eines Patienten auf der Intensivstation des Klinikums Delmenhorst verschuldet zu haben. 2008 wurde er wegen versuchten Mordes zu siebeneinhalb Jahre Haft und Berufsverbot verurteilt.

Die Berichterstattung über das Verfahren führte dazu, dass sich Angehörige weiterer möglicher Opfer meldeten. Seit September 2014 steht Niels H. wegen Verdachts auf Mord in drei und Mordversuchs in zwei Fällen erneut vor Gericht.

Nett war er, erinnern sich ehemalige Lehrer und Mitschüler der IGS in Wilhelmshaven an Niels H. Freundlich. Hilfsbereit. Witzig. Anerkannt. Mittendrin eben. Beim Lernen vielleicht nicht der Engagierteste; Fußball interessierte ihn mehr. Abitur machte er nicht. „Eigentlich“, sagt ein Lehrer nach langem Grübeln, „war er ein ziemlich normaler Schüler.“

Mitgefühl mit der Familie

Wie passt das zu dem Bild des „brutalen Rettungs-Rambos“, von dem vor Gericht die Rede ist? Zu dem Mann, der aus „Nervenkitzel“ und „Geltungsdrang“ Patienten eine Überdosis des Herzmittels Gilurytmal oder eine Überdosis Kalium spritzte? Der anschließend Lernschwestern ans Krankenbett holte, um sie mit seinem Reanimationswissen zu beeindrucken?

„Mit Mädchen tat er sich etwas schwer“, erinnert sich ein Mitschüler. „Er war nicht der Typ, der sie auf dem Schulhof ansprach.“ Hobby-Psychologie?

Niels H. wurde im Dezember 1976 in Wilhelmshaven geboren. Sein Vater war ebenfalls Krankenpfleger im Willehad-Hospital; dort, wo der Sohn 1994 seine Krankenpflegerausbildung begann. „Eine durch und durch helfende Familie“, erinnern sich Bekannte.

Noch mehr Hobby-Psychologie: Seine Sehnsucht nach Anerkennung könnte aus der Enttäuschung rühren, dass er kein Arzt werden konnte. Das vermuten Leute, die mit Niels H. zusammengearbeitet haben. Medizinisch sei er sehr kompetent gewesen. Der Vater hätte den Sohn wohl gern als Arzt gesehen.

Bleibenden Eindruck hinterließ er im St.-Willehad-Hospital offenbar nicht. Wer heute mit ehemaligen Kollegen spricht, hört nur: Er war nett. Und: Wir haben großes Mitgefühl mit der Familie.

1999 wechselt Niels H. ans Klinikum Oldenburg. Zwölf Menschen hat er dort möglicherweise auf dem Gewissen. Oder mehr? Am hinteren Ende der Alexanderstraße wohnt er zeitweise, weit weg vom Klinikum.

Ende 2002 zieht Niels H. weiter nach nach Delmenhorst, findet im dortigen Klinikum eine neue Stelle. In Oldenburg wollten sie ihn nicht mehr. Großes Misstrauen, wie man heute weiß. Ein gutes Zeugnis bekommt er trotzdem mit auf den Weg – aus arbeitsrechtlichen Gründen, heißt es.

Niels H. lässt sich in Ganderkesee nieder. Ein ruhiges Wohnviertel zwischen Acker und Stadt. Familien mit älteren Kindern wohnen in verklinkerten Häusern. Fahles Laternenlicht. Menschen führen ihre Hunde durchs Halbdunkel. Der Ex-Krankenpfleger bewohnt eine Doppelhaushälfte: zwei Etagen, drei Zimmer, etwa 80 Quadratmeter. Kleiner Garten, Carport, ein Bäumchen. Die jetzigen Mieter sind seit 2009 hier. Da saß Niels H. längst wegen Mordversuch an einem Patienten hinter Gittern. Ja, sie wissen, wer einmal in dem Haus gewohnt hat, erzählt das junge Paar: der „Krankenhausmörder“. Nein, Niels H. kennen sie nicht persönlich. Auch der Nachbar in der Doppelhaushälfte ist erst eingezogen, als der Pfleger nicht mehr da war.

Chronik: Warum stoppte niemand Niels H.?

Andere Nachbarn, die schon länger in der Siedlung wohnen, erinnern sich an Niels H. „Nett war er“, heißt es. Man unterhielt sich am Gartenzaun.

Eine Nachbarin bittet der Pfleger um Hilfe, als seine Frau schwanger ist. „Er hat seine Frau umsorgt“, erzählt die Nachbarin. Eine Tochter gibt es auch, geboren 2004.

Wie passt das zu einem mutmaßlichen Mörder?

Am Wochenende fährt Niels H. auf dem Rettungswagen, leistet erste Hilfe: in Wilhelmshaven bei den Maltesern, später in Ganderkesee im Landkreis Oldenburg. Die Nachbarn wissen das. Der Rettungswagen vom Roten Kreuz steht häufig vor dem Haus.

Gespräch am Gartenzaun

Gab es denn gar nichts Auffälliges an Niels H.? Doch, sagt eine Nachbarin: die sarkastischen Bemerkungen über Unfallopfer. „Da hat sich wieder einer an einem Baum aufgehängt“, soll er gesagt haben. Am Gartenzaun.

Einmal hat Niels H. selbst einen Unfall. Bei Ganderkesee überschlägt er sich auf der Autobahn, bleibt unverletzt. Müdigkeit? Stress? Schuld? „Er hatte keine Erklärung dafür“, sagt sein damals bester Freund, ebenfalls Pfleger. Die Autobahn soll Niels H. danach gemieden haben.

Ein Zeitungsartikel, diesmal ohne Foto: 2006 gewinnt Niels H. bei einem Fest ein Wellness-Wochenende. Da wurde bereits gegen ihn ermittelt.

Jetzt steht er wieder in der Zeitung, mit Fotos; vor Gericht hält er sich einen Aktenordner vors Gesicht.

Die Nachbarn haben ihn trotzdem erkannt. Sie haben Niels H. viel schlanker in Erinnerung. Als Schüler soll er ja drahtig gewesen sein, fast dünn. „Er sieht jetzt aufgeschwemmt aus“, sagt eine Frau.

Ein Junge, ein Mann, ein Vater: nett, ziemlich normal, mittendrin. „Ich frage mich die ganze Zeit schon: Gab es Anzeichen, dass Niels eine solche Entwicklung machen würde? Nein, die gab es nicht“, sagt ein Lehrer.

„Da sieht man, dass man Menschen eben nur bis vor die Stirn gucken kann“, sagt ein Mitschüler.

Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008
Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055
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