Berlin/Hannover - Computer- und Mediensucht ist mittlerweile keine Jungen-Domäne mehr. „Die Mädchen holen bei diesem Suchtthema auf – vor allem durch Facebook“, ermittelte der Kriminologe Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) in einer neuen Studie. „Rund 20 Prozent der Mädchen müssen wir als stark suchtgefährdet einstufen“, lautet die Analyse Pfeifers.
Die Folgen sind gerade im Bildungsbereich gravierend. „Sitzenbleiben ist längst kein Problem mehr nur für Jungen“, betont der Forscher. So würde sich die Zahl von annähernd 56 Prozent Abiturientinnen der vergangenen Jahre wieder stärker den 50 Prozent wie in den 90er Jahren annähern.
Nach einer Umfrage unter 15 000 Jugendlichen verbringen 16 Prozent der Jungen, aber auch bereits vier Prozent der Mädchen täglich „mehr als viereinhalb Stunden vor Computern und Spielkonsolen“. Eine Langzeitstudie in Berlin mit 1000 Schülern zwischen acht und 14 Jahren brachte ein erschütterndes Ergebnis. Pfeiffer drückt es drastisch aus: „Hoher Medienkonsum macht Kinder dick, dumm und traurig.“
Rechnet man die Zeiten an Computern, Spielkonsolen und im Internet zusammen, so kommen Sechs- bis 13-Jährige im Schnitt auf 199 Minuten täglich. „Das ist mehr Zeit“, so Pfeiffer, „als in der Schule oder mit sonst irgendeiner anderen Tätigkeit außer Schlafen verbracht wird.“ Der Kriminologe fordert mehr Präventionsarbeit an Schulen. „Verbote bringen nichts“, sagt Pfeiffer. Alternative Freizeitangebote seien wichtig.
