Oldenburg/Hannover - Von den Förderschulen in Niedersachsen werden in den kommenden Jahren nur wenige geschlossen. Das kündigte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) bei einem Schulforum in Oldenburg an. Die rot-grüne Landesregierung rückt damit immer mehr von ihren Plänen ab, Schüler mit Förderbedarf so schnell wie möglich in die Regelschulen zu integrieren.

Das Ziel der Inklusion bleibe ein gemeinsamer Unterricht von Schülern mit Behinderungen mit anderen Kindern, so Heiligenstadt. Man wolle aber „behutsame und kleinschrittige Lösungen“ verwirklichen. Eine vollständige Auflösung der Förderschulen werde es vorerst nicht geben.

Die rot-grüne Koalition reagiert damit auf massive Proteste von Eltern gegen die Abschaffung der Förderschulen. Auch bei der Schuldiskussion in Oldenburg gab es viele Fragen zum Thema Inklusion an die Ministerin. Dietmar von Reeken, an der Universität Oldenburg auch für die Lehrerausbildung zuständig, der mit Heiligenstadt auf dem Podium saß, sprach von einer „absurden Situation“. Das Riesenprojekt Inklusion sei angepackt worden, ohne die Voraussetzungen bei den Lehrkräften zu schaffen.

Henner Sauerland von der Lehrergewerkschaft GEW forderte die Einrichtung von Förderzentren, um die finanzielle und personelle Unterstützung der Schulen zu organisieren. „Das Ministerium muss einen Bauplan machen.“ Dagmar Sachse, Sozialdezernentin der Stadt Oldenburg, betonte, dass der Inklusionsprozess viel mehr Zeit brauche. „Was mir fehlt, sind Übergangslösungen.“

Nach Heiligenstadts Angaben plant die Landesregierung, die Förderschulen Lernen bis 2018 langsam auslaufen zu lassen. Die Förderschulen Sprache sollen nach und nach in Sprachheilklassen an Grundschulen überführt werden. Eine Auflösung von anderen Förderschulen sei nicht vorgesehen. Die Ministerin kündigte zudem an, dass rund 500 Lehrer eine Zusatzqualifikation erhalten sollen.

Heiligenstadt betonte, dass es in Niedersachsen einen Fall wie den des elfjährigen Henri aus Baden-Württemberg, der wegen seiner Behinderung von einem Gymnasium abgelehnt wurde, nicht geben könne. „In Niedersachsen kann er mit diesem Handicap nicht mehr vom Gymnasium abgewiesen werden.“ Die CDU-Landtagsfraktion, die Förderschulen erhalten möchte, sieht die Wende von Rot/Grün kritisch. Es könne keine „Entwarnung“ gegeben werden.