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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Bildung

Gemeinsam den Schulalltag meistern

21.02.2013

Oldenburg Es ist 10 Uhr am Mittwochmorgen. Jorg kommt in den Klassenraum in der Schule am Borchersweg in Oldenburg gestürmt. Ein Diktat steht für den Elfjährigen aus Elsfleth an. Während seine Klassenlehrerin die Arbeitsblätter austeilt, reicht Luisa Gialletto Jorg einen Bleistift. Dann ist es still im Klassenraum der 4/5b an der Förderschule. „Jetzt schreibt ihr bitte alle ,heiß‘ auf“, diktiert die Lehrerin ruhig. Luisa Gialletto sitzt nun nah bei Jorg am Tisch. Leise flüstert sie ihm zu, dass er die diktierten Worte aufschreiben soll. „Gut“, lobt sie ihn freudig, als er fertig ist. Nun kann es an die Matheaufgaben gehen.

Was für die meisten Schulkinder wie Alltag aussieht, soll für Jorg erst normal werden. Der Elfjährige lebt mit einer Behinderung. Damit er trotzdem in der Schule lernen kann und selbstständig arbeitet, bekommt er Unterstützung von Luisa Gialletto. Die 29-Jährige Oldenburgerin ist seine Schulbegleiterin.

Seit Dezember vergangenen Jahres unterstützt sie den Jungen an drei Vormittagen pro Woche im Unterricht. „Ich achte vor allem darauf, dass ich bei den Hauptfächern dabei bin“, sagt Gialletto. Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sich Jorg im Unterricht konzentriert und in den Pausen Zugang zu anderen Kindern findet.

Zusätzliche Ausbildung

Die Diplom-Pädagogin hat das nötige Zusatzwissen in einer Weiterbildung der Kreisvolkshochschule (KVHS) Wesermarsch gelernt. Im Auftrag des Landkreises wurden dort von November 2012 bis Januar 2013 18 Frauen als Schulbegleiterinnen ausgebildet. Dort lernten sie Erste-Hilfe, Grundlagen der Pflege, der Pädagogik, alles über Arten von Behinderungen sowie die Zusammenarbeit mit den Eltern. Gialletto war in dem Qualifikationslehrgang Dozentin: „So bin ich dazu gekommen, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagt die 29-Jährige. Vorerst ein Jahr lang wird sie Jorg im Schulalltag zur Seite stehen. „Ziel ist es, dass das Kind immer selbstständiger wird.“

Schulbegleiter – Eine Hilfe für die Integration

Schulbegleiter, häufig Integrationshelfer genannt, gibt es bereits in der gesamten Region.

Im Landkreis Ammerland gibt es 24 Helfer. Im Kreis Cloppenburg sind 34 Integrationshelfer tätig, in Friesland werden 45 Kinder durch 43 Unterstützer betreut, weitere sieben helfen seelisch beeinträchtigten Kindern. Im Kreis Oldenburg sind es 50 Schulbegleiter, die Stadt Oldenburg sichert für 60 Schüler Betreuung. Im Kreis Vechta sind es 25 Helfer.

Pädagogische Aufgaben gehören nicht zum Arbeitsalltag von Gialletto. Das Erklären bleibt den Lehrern überlassen. Für die Helfer bedeutet die Arbeit hauptsächlich, den Schulalltag für die Kinder mit Beeinträchtigungen so zu strukturieren, dass diese dem Unterricht folgen können. So verrät Gialletto dem Elfjährigen nicht die Ergebnisse seiner Rechenaufgaben. Während er überlegt, versucht sie vielmehr, ihm Denkanstöße zu geben, damit er gedanklich bei der Aufgabe bleibt. Langsam hebt sie einzeln ihre Finger. Beide Hände sind erhoben – acht Finger zeigt die Schulbegleiterin nun dem Jungen. Jorg zählt und schreibt das Ergebnis auf.

Auf seinem Tisch hat Jorg von seiner Schulbegleiterin eine kleine Karte geklebt bekommen. Diese erinnert ihn mit kleinen Bildern, was im Unterricht erlaubt ist und was nicht. Wenn er brav ist, gibt es zur Belohnung einen goldenen Stern. Für die Lehrer ist diese Art der Unterstützung hilfreich. „Es erleichtert die Arbeit ganz enorm“, sagt Klassenlehrerin Britta Gronewold, „sonst musste ich auf Störungen eingehen, jetzt treten sie fast nicht mehr auf.“

Damit die Zusammenarbeit mit den Schulbegleitern und Lehrern funktioniert, treffen sich diese einmal pro Woche. „Wir sprechen über anstehende Unterrichtsinhalte und sprechen ab, wo erhöhter Unterstützungsbedarf ist wie beispielsweise bei Ausflügen“, sagt Gronewold. Die Zusammenarbeit mit den Lehrern ist für Gialletto von großer Bedeutung. „Wir sind hier ein tolles Team. Das ist sehr wichtig, um gut arbeiten zu können“, so die Schulbegleiterin. Nicht alle Kinder an der Förderschule haben Begleiter – die Zuteilung hängt von Art und Grad der Behinderung ab.

Bedarf könnte steigen

Voraussichtlich wird der Bedarf an Unterstützung steigen. Eine Konvention der Vereinten Nationen hat festgelegt, dass Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Teilhabe zusteht. Das bedeutet unter anderem, dass alle Schulen ab dem Sommer dieses Jahres inklusiv sein sollen. Behinderte Menschen sollen so zum Beispiel am Gymnasium lernen können.

Deswegen hat der Landkreis Wesermarsch die KVHS beauftragt, Schulbegleiter auszubilden. Auch in anderen Landkreisen gibt es Bemühungen. Doch nicht jeder kann Schulbegleiter werden. Für die nicht ehrenamtliche Arbeit sind professionelle Qualifikation und „Einfühlungsvermögen, Zuverlässigkeit und Geduld notwendig“, so Gialletto.

Jorg übt weitere Rechenaufgaben, plötzlich lässt die Konzentration nach. „Versuch noch durchzuhalten“, raunt ihm Luisa Gialletto gutmütig zu. „und wenn nicht?“, fragt Jorg. „Wenn nicht, dann nicht – aber es wär schön.“

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