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Lernen Gleiches Recht für Schüler und Lehrer

Ann-Kathrin Marr

Oldenburg - Hinter den Türen des Informatik-Raums ist es still, nur die Computer-Tastaturen klappern. Fünf Jungen schauen konzentriert auf die Bildschirme. „Wir haben die Homepage für ein Schullandheim überarbeitet und Visitenkarten für Lehrer entworfen“, sagt Micah. Er ist 15. Micah Grahlmann ist Schüler an der Integrierten Gesamtschule Flötenteich Oldenburg.

Micah und die anderen machen dort bei etwas Besonderem mit – bei der Schüler-Genossenschaft „Schoolart“. Genossenschaften werden etwa von Leuten gegründet, die ein gemeinsames Ziel haben. Einem Einzelnen allein fehlt oft das Geld für die Umsetzung – deshalb schließt er sich mit anderen zusammen.

Eis für die Genossen

Die Schüler-Genossenschaft „schoolart“ funktioniert dabei wie eine kleine Firma. Micah und die anderen gestalten Flyer, Plakate und Webseiten für das Internet. Wenn das Plakat oder die Homepage fertig ist, schreiben die Schüler eine Rechnung und bekommen Geld.

Doch dieses Geld behalten sie nicht selbst. Es wird für die Genossenschaft verwendet. Zum Beispiel werden davon neue Materialien gekauft. Hin und wieder bleibt aber eine kleine Summe für die Genossen übrig: „Am Schuljahresende gehen wir auch mal zusammen Eis essen“, verrät die Lehrerin Karin Benecke. Sie hat die Genossenschaft zusammen mit einem Vater gegründet. Und sie unterstützt die Schüler bei der Arbeit.

Micahs Gruppe trifft sich einmal in der Woche – für eineinhalb Stunden. Wenn ein Auftrag fertig werden muss, kommt manchmal ein weiterer Termin dazu. Das klingt nach einer Menge Arbeit, noch neben dem Unterricht und den Hausaufgaben, oder? „Eigentlich nicht“, sagt Micah. Ihm macht die Arbeit am Computer Spaß. Und er findet es gut, dass die Schüler sich hier gegenseitig helfen. „Wer mit einem Programm schon gearbeitet hat, zeigt den anderen, wie es geht“.

„Schoolart“ hat sogar mehrere Abteilungen. Wer lieber backt, als am Computer zu sitzen, muss nur zwei Türen weiter gehen. Hier, in der Cafeteria, duftet es nach frischen Waffeln. Die 13-jährige Frieda bestäubt gerade das Gebäck mit Puderzucker. Zusammen mit anderen Schülern verkauft sie in der Mittagspause Selbstgebackenes.

Wie alle Achtklässler muss sie eine der Arbeitsgemeinschaften (AG) belegen, die an der Schule angeboten werden. Sie hat sich für die Schülergenossenschaft entschieden, weil ihr Backen Spaß macht, erzählt sie. Vielen Schülern geht es so wie Frieda Haak: Sie lernen die Arbeit von „Schoolart“ über eine AG kennen. Viele von ihnen werden dann Mitglied der Genossenschaft.

Eher für die Älteren

Schülergenossenschaften sind eher für ältere Schüler gedacht. Die Genossen sind meist in der siebten Klasse oder älter. Bei der Schülergenossenschaft „Schoolart“ in Oldenburg gibt es aber auch Ausnahmen: „Wenn ein Fünftklässler mitmachen möchte, darf es das auch“, sagt Lehrerin Karin Benecke.

Experten wie Professor Dr. Nicole Göler von Ravensburg (Fachhochschule Frankfurt) sagen: Eine Genossenschaft hat für Schüler viele Vorteile. Sie erführen dabei zum Beispiel, wie Firmen funktionieren und was sie zu beachten hätten. Wie man etwa Rechnungen schreibe, damit man Geld vom Kunden bekommt. Oder wofür eine Firma so alles Geld ausgeben müsse – zum Beispiel für Papier und Druckerpatronen oder für Zutaten wie Butter und Mehl.

Ein bisschen arbeiten die Schüler außerdem schon so, wie man später im Beruf arbeitet. So kann man schon mal ausprobieren, ob einem diese Arbeit überhaupt gefällt. Für viele Schüler ist aber vor allem eines wichtig: Ihnen macht es Spaß, zusammen mit anderen zu backen, Snacks zu verkaufen oder Computer zu reparieren.

Jeder hat eine Stimme

Schülergenossenschaften gibt es zum Beispiel in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Wer dazugehört, darf dann auch mitbestimmen. Zum Beispiel: Was für ein Sofa wollen wir für die Cafeteria kaufen? Darüber haben die „Schoolart“-Mitglieder abgestimmt, Schüler und Lehrer. Denn in der Genossenschaft hat jeder eine Stimme. Egal, ob er 13 Jahre alt ist und in die achte Klasse geht oder 50 Jahre alt ist und Mathematik unterrichtet.

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