GöTTINGEN - Wenn die Universität Göttingen in dieser Woche ihr 275-jähriges Bestehen feiert, schummelt sie ein wenig. Die Party steigt zu früh. Denn die feierliche Inauguration, wie es damals hieß, wurde am 17. September des Jahres 1737 begangen. Diese kleine zeitliche Ungenauigkeit sei der Uni bewusst, sagt Präsidentin Ulrike Beisiegel. Die Uni Göttingen ist die älteste noch existierende Universität in Deutschland.

Zum Auftakt der Feierlichkeiten am Dienstag werden auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder erwartet, der in Göttingen Jura studiert hat. Beim Festakt wird auch an Gerlach Adolph von Münchhausen erinnert. Der Gründer der Hochschule ließ schon zwei Jahre vor Beginn des Göttinger Aufstiegs vom Provinznest zur Universitätsstadt mit Weltgeltung einen Reitstall bauen, um damit zahlungskräftige Adelige als Studenten zu gewinnen. Diese sollten mit ihrem Geld qualifizierte Professoren anlocken. Münchhausens Maßnahme hatte großen Erfolg.

Die blühende Universität wurde ein Jahrhundert später vom Rauswurf der „Göttinger Sieben“ hart getroffen. Die Professoren, unter ihnen die Brüder Grimm, hatten sich gegen die willkürliche Aufhebung des hannoverschen Staatsgründungsgesetzes zur Wehr gesetzt. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Göttingen zum Weltzentrum der modernen Physik durch Nobelpreisträger wie Max Planck, Max Born oder James Franck.

„Heute steht die Universität recht gut da“, sagt Präsidentin Beisiegel. „Wir sind Exzellenz-Universität und hoffen auch, dies zu bleiben.“ Für Göttingen spreche, dass die Uni mit fast 170 Millionen Euro Drittmitteln für die Forschung deutschlandweit unter den „Top Ten“ rangiere.

Derzeit studieren an der Georgia Augusta mehr als 24 000 Menschen. Mit mehr als 7000 Beschäftigten sowie 7000 Mitarbeitern in der Universitätsmedizin ist die Hochschule der mit Abstand größte Arbeitgeber der Region.

Die Jubelfeier zum 250. Bestehen war aus Angst vor gewaltsamen Auseinandersetzungen abgesagt worden. Auch an diesem Dienstag sind zwei Demonstrationen angekündigt. Die Polizei rechnet aber nur mit wenigen hundert Teilnehmern.