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Ein Jahr Nach Dem Unglück Wie ein Großbrand eine Schule auf die Probe stellt

Manfred Stolle

Wittmund - Von außen macht die Alexander-von-Humboldt-Schule in Wittmund einen alltäglichen Eindruck. Schüler unterhalten sich während der Pausen auf dem Hof oder eilen mit Schultaschen von einem Gebäude zum nächsten. Doch Alltag herrscht hier noch lange nicht.

Vor genau einem Jahr schreckte eine gewaltige Explosion die Bewohner der Stadt Wittmund auf. Eine schwarz-braune Rauchsäule schob sich so hoch in den Himmel, dass sie selbst in mehr als 25 Kilometern Entfernung noch in Aurich oder Schortens zu sehen war. Bei Dacharbeiten war eine Gasflasche explodiert.

Ein Millionen-Schaden

Das folgende Großfeuer vernichtete drei Unterrichtstrakte, Verwaltungs- sowie Funktionsräume für Naturwissenschaften. Auf zehn Millionen Euro schätzten Experten den Sachschaden.

Den Löscharbeiten – teilweise waren 350 Feuerwehrleute im Einsatz – folgte das Aufräumen und der Beginn des Wiederaufbaus. „Da sind wir mittendrin“, sagt Schulleiter Uwe Brauns ein Jahr später im provisorischen Lehrerzimmer.

Nach den Sommerferien 2013 war eine Containerschule für 1000 Kinder und Jugendliche errichtet worden. 870 000 Euro kostete die Zwischenlösung. Die Container wurden in den Osterferien wieder abgebaut. Denn mittlerweile hatte die Brandkasse einen Trakt komplett sanieren lassen. „Die Schüler sind wieder im Gebäude mit 21 Unterrichtsräumen. Zwei Klassen wurden für die Verwaltung hergerichtet“, sagt Brauns. In einem anderen Trakt konnten zwei Klassenräume wieder hergerichtet werden.

Dennoch ist der Unterricht laut Brauns eine „logistische Herausforderung“. Der Platz ist für die rund 1600 Schüler und 128 Lehrer an der Kooperativen Gesamtschule ein Jahr nach dem Feuer noch sehr beengt. Geht eine Klasse zum Sport, besetzen andere Schüler den Raum, um dort Unterricht oder Gruppenarbeit zu machen.

„Wir müssen hin- und herschieben“, sagt der Schulleiter. Doch das Kollegium sei froh, nicht mehr in Containern unterrichten zu müssen. Die Wege seien wieder kürzer geworden, und die Container seien doch sehr hellhörig gewesen.

Ähnlich sieht es Peter Eilts. Er unterrichtet seit mehr als 30 Jahren Mathe, Erdkunde, Geschichte und Englisch. „Die Situation hat sich seit den Osterferien enorm verbessert“, sagt er. Die kürzeren Wege sind ihm dabei weniger wichtig. „Wir mussten schon immer laufen“, sagt er.

Schulleiter Brauns gewinnt der Situation Positives ab. „Wir sind auf Ideen gekommen, die wir ohne den Brand nie gehabt hätten“, sagt er. Früher habe man die Abiturarbeiten im Obergeschoss geschrieben. In diesem Jahr sei man dafür in die Kunsträume ausgewichen – und stellte fest, dass es dort ja für die Schüler viel ruhiger sei. „Das heißt natürlich nicht, dass wir wieder ein Feuer für neue Ideen brauchen“, schiebt er schnell nach.

Neue Ideen im Container

Erfindungsreichtum haben auch die Schüler im Container entwickelt. Schüler der Klasse G 9 b schildern ihre Erfahrungen: „Es ist schon gut, wenn man weiß, wo die Klassenräume sind. Die sind größer und offener“, sagt Nina Eden. „Die weißen Wände haben gestört. Wir haben die Räume darum verschönert“, setzt Mattes Wellmann hinzu.

Und dann war da noch das Problem mit dem Krach und dem Echo. Joreen Heimann hatte die Lösung. „Wir haben Tennisbälle mitgebracht und die Füße der Schulstühle da reingestellt. So war es nicht mehr so laut“, sagt sie.

Und Hilfe gab es auch von außerhalb. Auf dem Weg aus dem Klassenraum, in dem gerade Französisch unterrichtet wurde, fallen Sofas in den Gängen auf, auf denen andere Schüler sitzen und sich unterhalten. Auf die Frage: „Wo habt ihr die denn her?“, kommt die Antwort: „Von Möbel Buss!“ wie aus der Pistole geschossen.

Die Schule befindet sich im Aufbau, wie der Schulleiter sagt. Es fehlen noch Fach- und allgemeine Unterrichtsräume, eine Unterkunft für die Verwaltung – und irgendwann soll es auch wieder ein Lehrerzimmer geben.

„Das Raumprogramm steht. Man weiß, was man will“, sagt Wittmunds Kreisrat Hans Hinrichs. „Es gilt jetzt, schnellstmöglich den Neubau auf den Weg zu bringen“ ergänzt Renate Janssen, Abteilungsleiterin für Schulen und Gebäudemanagement bei der Wittmunder Kreisverwaltung.

Für die Planung braucht man einen Architekten. Nach der „Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen“ musste dieser Auftrag europaweit ausgeschrieben werden. 17 Planungsbüros haben ihre Unterlagen eingereicht. Diese werden von einem Gremium von Verwaltungs- und Baufachleuten gesichtet und bewertet.

Janssen und Hinrichs hoffen, das man im August eine Entscheidung hat. Anschließend kann der Architekt seine Planung den politischen Gremien vorlegen. Stimmen Schul- und der vertraulich tagende Kreisausschuss zu, wird die Baugenehmigung beantragt. Liegt sie vor, werden die einzelnen Gewerke ausgeschrieben.

„Wir möchten im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen“, plant Kreismitarbeiterin Janssen. Laufe alles gut mit, könne die Alexander-von-Humboldt-Schule 2016 fertiggestellt sein. Deren Leiter ist nicht ganz so optimistisch. „Ich rechne mit 2017“, sagt Uwe Brauns.

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