HANNOVER - Die niedersächsischen Informatik-Lehrer schlagen Alarm. Im Vergleich der Bundesländer sei Niedersachsen Schlusslicht beim Informatik-Unterricht, hieß es jüngst beim Tag der Informatiklehrer in Clausthal-Zellerfeld. In anderen Bundesländern gebe es Lehrpläne und Schulbücher, sei Informatik sogar ein Pflichtfach. Als positive Beispiele wurden im Zwischenbericht einer Arbeitsgruppe zur Reform des Informatik-Unterrichts Bayern und Mecklenburg-Vorpommern genannt. In Niedersachsen fehle es dagegen an geeigneten Lehrern. Informatik sei ein Mangelfach, hieß es.
„In Niedersachsen gibt es keine oder kaum verwertbare Bücher für den Informatik-Unterricht“, sagte ein Informatik-Lehrer, der nicht namentlich genannt werden will. Die Altersstruktur der Informatiklehrer sei katastrophal.
Im Kultusministerium kann man die Aufregung nicht ganz nachvollziehen. „Grundsätzlich hat das Fach einen sehr hohen Stellenwert“, sagte Ministeriumssprecher Roman Haase dieser Zeitung. Es gebe in Niedersachsen 589 Lehrkräfte mit der Lehrbefähigung für den Informatikunterricht. Zudem seien im vergangenen Jahr 40 Millionen Euro in die Medienausstattung von Schulen investiert worden – etwa in interaktive Tafeln, Notebooks und Beamer. „Das Wahlfach Informatik kann Schülerinnen und Schüler in beiden Sekundarbereichen in ganz besonderer Weise motivieren und ihrer Berufsorientierung dienen, daher gibt es für alle Lehrkräfte in Niedersachsen ein ständiges Fort- und Weiterbildungsangebot“, betonte Haase.
Auch in den Landtags-Fraktionen macht man sich Gedanken über den Informatik-Unterricht. „Das Grundproblem ist, dass die Schulen zu sehr alleine gelassen werden“, sagte SPD-Fraktionsvize Olaf Lies (Sande). Es gebe zu wenig Fachleute für Einsatz und Wartung der Technik. Im Landkreis Friesland etwa würden viele Lehrer Informatik unterrichten, „die nicht vom Fach kommen, aber bereit sind, den Unterricht zu übernehmen“, berichtete Lies von seinen Erfahrungen.
Die Grünen-Schulexpertin Ina Korter (Nordenham) bemängelte, dass es für den Informatik-Unterricht „zu wenige Lehrkräfte“ gebe. Die Landesregierung zeige keine große Initiative. „Manchmal sind da die Schüler weiter als die Lehrer.“ Der FDP-Schulexperte Björn Försterling sieht dagegen „keinen akuten Handlungsbedarf“.
