Hannover - Lehrerverbände und die Landtags-Opposition laufen Sturm: „Die Welle der Abordnungen von Gymnasiallehrern an Grundschulen reißt nicht ab“, kritisiert der CDU-Schulpolitiker Kai See­fried das sich drehende „Heiligenstadt-Karussell“. Auch vier Wochen nach Schuljahresbeginn gebe es an manchen Schulen noch keinen fertigen Stundenplan. „Lehrkräfte und Schulleiter haben Angst, über ihre Situation zu sprechen. Leidtragende sind die Schüler“, beklagt Seefried, dass „die aktuelle Zahl der Abordnungen 70-mal so hoch ist wie in den Vorjahren“.

Der Philologenverband schließt sich der scharfe Kritik an. „Im Wochenrhythmus werden Vorgaben geändert und neue Abordnungen kurzfristig verfügt“, so dass Schulen teilweise bereits den dritten Stundenplan erstellen müssten, führt Verbandschef Horst Audritz bittere Klage. Zudem sei es „skandalös“, so der Philologenverband, „dass auf Schulleitungen wie Lehrkräfte erheblicher Druck von den Schulbehörden ausgeübt wird und ihnen striktes Stillschweigen zu Abordnungen und deren Begleitumstände auferlegt werden“.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) wehrt sich. Schulen und Lehrkräfte seien „untereinander äußerst solidarisch“, betont Heiligenstadt. „Gut mit Lehrkräften versorgte Schulen unterstützen Schulen mit schlechterer Ausgangslage“, beschreibt die Ministerin die Zwangs-Rotation von Tausenden Lehrer in ganz Niedersachsen aus ihrer Sicht.

Laut Kultusministerium sind im laufenden Schuljahr schulformübergreifend 8314 Abordnungen im Umfang von 96 563 Stunden vorgenommen worden. Die mit Abstand meisten Stunden werden im Zuge der aufwachsenden Inklusion von Förderschulen an allgemeine Schulen abgeordnet (61 589 Stunden, 4944 Abordnungen). 12 968 Stunden ordnen Grundschulen ab, 11 325 Stunden davon an andere Grundschulen. Von Gymnasien werden 6 796 Stunden (1006 Abordnungen) gestellt, 2133 Stunden hiervon gehen an Grundschulen (421 Abordnungen), 1325 Stunden werden von Gymnasien an andere Gymnasien abgeordnet (128 Abordnungen).

Der Grünen-Schulpolitiker Heiner Scholing wirft dem Philologenverband vor, die Lage zu dramatisieren. Allerdings müssen man Berichte über Probleme auch „sehr ernst“ nehmen, „weil Abordnungen von der Landesschulbehörde sehr spät mitgeteilt worden sind“, so Scholing.