HANNOVER - Laut Busemann braucht die Schulform mehr Zeit zur Entwicklung. Die Opposition befürchtet ein Ausbluten.

von marco Seng

redaktion hannover

HANNOVER - Wie viele Schüler haben sich nach den Sommerferien in den einzelnen Schulformen angemeldet? Wer ist wohin gewechselt? In der Landespolitik wird diese Frage seit Wochen diskutiert. Doch das Kultusministerium blieb die Zahlen bislang schuldig. Jetzt liegen sie auf dem Tisch und zeigen, was Skeptiker befürchtet hatten. Der Ansturm auf die Gymnasien setzt sich fort, die Hauptschulen leeren sich zusehends.

Für die Gymnasien haben sich nach der Grundschule 41,9 Prozent der Eltern entschieden, für Realschulen 36,5 Prozent. An den Hauptschulen wurden nur 16,5 der Kinder angemeldet. Wären die Eltern den Empfehlungen der Lehrer gefolgt, hätte sich für die 5. Klasse ein ganz anderes Bild ergeben Gymnasien, 36,9 Prozent, Realschulen, 36,4 Prozent und Hauptschulen 26,6 Prozent.

Nach Ansicht von Kultusminister Bernd Busemann (CDU) brauchen die Hauptschulen mehr Zeit, sich zu entwickeln. „Die Folgen der 30-jährigen, meist ideologisch geführten Auseinandersetzung um die Schulstruktur, in der die Hauptschulen systematisch schlecht geredet und stiefmütterlich behandelt wurden, sind nicht in einem Jahr zu überwinden“, erklärte Busemann. Der Minister verwies darauf, dass eine mögliche Umorientierung der Eltern nach dem Stichtag 8. September nicht in der Statistik erfasst sei.

Die Opposition warnte dagegen vor dem Aus für die Hauptschulen. Die SPD sprach von einem historischen Tiefststand der Anmeldezahlen. Im Vorjahr seien es noch 17,7 Prozent gewesen. „Fast die Hälfte der rund 500 Hauptschulen in Niedersachsen hat nur eine einzige Klasse im 5. Schuljahrgang und ist damit langfristig kaum überlebensfähig“, sagte die SPD-Schulexpertin Ingrid Eckel. Die Schulform blute weiter aus. „Die Hauptschule wird von immer mehr Eltern abgewählt, weil sie zu einer Bildungs-Sackgasse geworden ist“, meinte die Grünen-Politikerin Ina Korter.