HANNOVER - Einige Bundesländer wollen flexibler mit dem umstrittenen Turbo-Abitur umgehen. Niedersachsen hält trotz aller Kritik an der Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre fest. Für Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) ist das Turbo-Abi trotz Anlaufschwierigkeiten ein Erfolg. „Wir sehen keine Notwendigkeit, an dem eingeschlagenen Weg etwas zu verändern“, sagte Althusmann am Mittwoch im Landtag in Hannover.
Das Parlament diskutierte in der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause mehrere Stunden über Schulpolitik. Die schwarz-gelbe Koalition und die rot-grüne Opposition warfen sich gegenseitig Versäumnisse und Fehler vor. Die Linken kritisierten beide Seiten als „riesengroße Allianz der Bildungszerstörer“.
Im Mittelpunkt der Debatte stand eine Bilanz des Turbo-Abis. Grünen-Bildungsexpertin Ina Korter (Nordenham) forderte eine Flexibilisierung der Abiturregelungen. „In den G8-Gymnasien hat sich das Lernen weitgehend zum Fast-Food-Lernen entwickelt: Schnell auswendig lernen, schnell ausspucken, schnell vergessen!“, sagte Korter. Obwohl Schüler überlastet seien, halte Niedersachsen stur an der Schulzeitverkürzung fest. Die Grünen-Politikerin verwies darauf, dass Hessen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen den Gymnasien die Möglichkeit geben, das Abitur auch wieder nach 13 Jahren anzubieten.
„Die Eltern wollen Verlässlichkeit“, sagte der SPD-Abgeordnete Claus-Peter Poppe. Seine Partei sei klar für das Abitur nach 13 Jahren an den Gesamtschulen. Auch der Zwang zum Turbo-Abi an den Oberschulen solle beendet werden. Die Linken forderten statt einer Flexibilisierung die Abschaffung des Turbo-Abis. Dies wolle die Mehrheit der Bevölkerung, erklärte die Abgeordnete Christa Reichwaldt.
Die Bilanz des Kultusministers fiel dagegen anders aus. Bei den Absolventen des Abiturs nach zwölf und nach 13 Jahren hätten sich bei den Prüfungen vor einem Jahr nahezu keine Unterschiede feststellen lassen, sagte Althusmann. Zudem seien die Lehrpläne entrümpelt worden, so dass die Schüler in weniger Zeit auch weniger Stoff zu bearbeiten hätten. In der Mehrzahl der europäischen Länder hätten die Schüler ihren Abschluss ebenfalls nach zwölf Jahren in der Tasche. „Hier in Niedersachsen haben wir vielfältige Wege zum Abitur“, sagte der FDP-Bildungsexperte Björn Försterling. Auch das Abitur nach 13 Jahren gebe es nicht ohne Anstrengung.
