HANNOVER - Die Debatte um Schulreformen in Niedersachsen reißt nicht ab. Der Niedersächsische Landkreistag forderte am Dienstag die Möglichkeit zur Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen. „Der beschrittene Weg ist richtig, das Ziel aber noch nicht konsequent im Visier“, sagte der Vorsitzende des Landkreistages, der Celler Landrat Klaus Wiswe (CDU), zu den Plänen der CDU/FDP-Landesregierung für eine engere Kooperation von Haupt- und Realschulen.
Die Entwicklung in vielen Landkreisen zeige, dass sich Vorbehalte gegen die Hauptschule verfestigt hätten. Sie würden von den Eltern, insbesondere aber von den Ausbildungsbetrieben nicht mehr wahr- und angenommen. „Wir halten es, wie in vielen anderen Bundesländern bereits erfolgreich praktiziert, für erforderlich, auch eine Zusammenführung von Haupt- und Realschule zu einer neuen Schulform zuzulassen“, sagte Wiswe. Der Landkreistag sprach sich auch für die Errichtung neuer Gesamtschulen aus.
Die Linksfraktion im Landtag kritisierte, die Landeschulbehörde baue „künstliche Hürden“ bei der Genehmigung von neuen Gesamtschulen auf. „Wir müsse landesweit bessere Möglichkeiten für Gesamtschulen schaffen“, kündigte die Linken-Bildungsexpertin Christa Reichwaldt einen Antrag im Landtag an.
Opposition und Verbände kritisierten auch die Pläne des Kultusministeriums für eine Neuverteilung der Schulstunden. Wegen des verkürzten Abiturs sollen Sechstklässler zum kommenden Schuljahr zwei Stunden mehr Unterricht bekommen als bisher. Die Grünen forderten eine stärkere Entlastung der Schüler. Der Entwurf sei bei der Elternschaft weitgehend auf Ablehnung gestoßen, teilte der Landeselternverband mit. Der Realschullehrerverband sieht durch die neue Stundentafel schlechtere Chancen für Realschüler, aufs Gymnasium zu wechseln.
