HANNOVER - Nach fünf Jahren politisch verordneter Zwangspause sind in Niedersachsen wieder die ersten neuen Gesamtschulen offiziell vom Land genehmigt worden. Wie das Kultusministerium in Hannover bestätigte, dürfen im kommenden Sommer drei neue Integrierte Gesamtschulen im Landkreis Schaumburg an den Start gehen. Die CDU/FDP-Landesregierung unter Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte die Einrichtung neuer Gesamtschulen von 2003 bis 2008 verboten, weil sie das dreigliedrige Schulsystem mit Gymnasium, Haupt- und Realschule favorisiert. Eltern waren gegen dieses starre Verbot jahrelang Sturm gelaufen.
Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) forderte von der Landespolitik eine Lockerung der Voraussetzungen für Neugründungen. Die vorgeschriebene Fünfgliedrigkeit neuer Gesamtschulen müsse aufgegeben werden. „Es ist die Zeit vorbei, dass Gesamtschulen diskriminiert werden, die Eltern lassen sich das nicht mehr gefallen“, sagte Weil am Donnerstag.
In einer Befragung in Hannover sprachen sich 44 Prozent der Eltern für eine Gesamtschule und 56 Prozent für das dreigliedrige Schulsystem aus. „Vor diesem Hintergrund ist die Landespolitik gut beraten, Gesamtschulen zuzulassen und ihnen eine Chance zu geben“, so Weil.
Die drei neuen Schulen in Obernkirchen, Helpsen und Rodenberg (Kreis Schaumburg) starten zum 1. August kommenden Jahres. Der Schulbetrieb wird dort zunächst in bestehenden Räumen beginnen. Nach Auskunft des Ministeriums liegen derzeit aus anderen Kommunen keine offiziellen Anträge zur Errichtung neuer Gesamtschulen vor. „Wir gehen aber davon aus, dass es noch welche geben wird“, so ein Ministeriumssprecher.
