HANNOVER - Der Ausbau des gemeinsamen Unterrichts für behinderte und nichtbehinderte Kinder kommt in Niedersachsen nur schleppend voran. Bremen belegt im bundesweiten Vergleich dagegen einen Spitzenplatz.

In der benachbarten Hansestadt werden fast 40 Prozent der Schüler mit Förderbedarf gemeinsam mit anderen Kindern unterrichtet, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 18,4 Prozent. Niedersachsen erreicht gerade mal 6,6 Prozent.

In internationalen Abkommen hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, den sogenannten inklusiven Unterricht auszubauen. Doch die Untersuchung des Bildungsforschers Klaus Klemm zeigt, dass der gemeinsame Weg für viele behinderte Kinder mit den Altersgenossen mangels geeigneter Plätze in den Schulen bereits nach der Kita zu Ende ist.

In Bremen geschieht dies meist beim Übergang zur weiterführenden Schule. Der Studie zufolge spielten und lernten im kleinsten Bundesland im vergangenen Jahr 93 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf in einer Kita gemeinsam mit anderen. In Niedersachsen waren es 37 Prozent und damit deutlich weniger als im bundesweiten Durchschnitt, der rund 60 Prozent beträgt.

Für Niedersachsen sei eine Auswertung für Grundschule und Sekundarstufe 1 nicht möglich, weil die entsprechenden Daten fehlten, erläuterten die Experten. 2009 hatten rund 40 000 niedersächsische Kinder einen Sonderförderbedarf – das sind 4,7 Prozent aller Schüler. Die bundesweite Förderquote liegt bei 6 Prozent.

„Notwendig ist der konsequente Umbau in Richtung inklusive Schule“, sagte der Bildungsexperte im Stiftungsvorstand, Jörg Dräger.