HANNOVER - Fast sechs Prozent der Eltern in Niedersachsen wünschen sich eine Gesamtschule für ihre Kinder. Neugründungen sind verboten.
Von Marco Seng,
Redaktion Hannover
HANNOVER - Die Anmeldezahlen für das neue Schuljahr sind noch nicht vollständig ausgewertet, da wird bereits wieder über die Zukunft der Gesamtschulen in Niedersachsen gestritten. Auslöser sind kritische Äußerungen von Kultusminister Bernd Busemann (CDU). Der hatte sich zu Schuljahresbeginn besorgt über die hohe Zahl von Kindern mit Hauptschulempfehlung an Gesamtschulen gezeigt. Busemann schließt daraus, dass Eltern von Kindern mit Gymnasialempfehlung diese offenbar meiden. Das gefährde den Bestand der Schulen, warnte er.Die Reaktion der Betroffenen ließ ein paar Tage auf sich warten, kommt jetzt aber umso geballter. Der Gesamtschulverband Niedersachsen (GGG) wirft dem Minister „unqualifizierte und unfaire Äußerungen“ vor. Busemann wolle nur von der Krise an den Hauptschulen ablenken. „Die Zusammensetzung der anderen Schulformen bleibt völlig unerwähnt“, sagte GGG-Chef Gerhard Hildebrandt (Wilhelmshaven) dieser Zeitung. Die Gesamtschulen erfreuten sich einer zunehmenden Wertschätzung durch die Eltern.
Das sieht auch die SPD so. „Die Eltern in Niedersachsen wollen die Gesamtschule“, erklärte die Schulexpertin der Landtagsfraktion, Ingrid Eckel. Die Schüler würden dort individuell gefördert statt vorschnell in Schubladen gesteckt.
Die Befürworter der Schulform nennen Göttingen und Wilhelmshaven als Beispiele für eine gesunde Mischung bei der Zusammensetzung der fünften Klassen. Danach waren in der IGS in Göttingen von den 178 Fünftklässlern, die aufgenommen wurden, zehn Prozent für die Hauptschule, 30 Prozent für die Realschule und 60 Prozent für das Gymnasium empfohlen. An der IGS in Wilhelmshaven gelten 74 von 180 Schülern als reif fürs Gymnasium. Insgesamt gibt es in Niedersachsen 34 Integrierte Gesamtschulen. Neugründungen hat Busemann verboten. In Ballungsgebieten bleiben sie aber offenbar attraktiv. Landesweit wünschten sich Anfang dieses Jahres 5,9 Prozent der Eltern eine IGS als Schulform für ihre Kinder. Im Vorjahr waren es 5,7 Prozent. Beide Seiten sammeln weiter eifrig Zahlen, um ihre Argumente zu untermauern.
