HANNOVER - An Eltern, Lehrer und Schüler werden Fragebögen verteilt. 130 Schulen in Niedersachsen wollen sich beteiligen.

Von Marco Seng,

Redaktion Hannover

HANNOVER - Startschuss für eine neues Schulprojekt der Landesregierung: 130 Schulen in Niedersachsen sollen demnächst ihr Schicksal teilweise selbst in die Hand nehmen, 67 davon in den Modellregionen Emsland und Braunschweig. Eigenverantwortung heißt das Zauberwort. Die Qualität des Unterrichts soll dadurch verbessert werden. „Unsere Schulen sind qualitativ nicht gut genug“, erklärte Kultusminister Bernd Busemann (CDU).

In einem ersten Schritt erhalten Eltern, Lehrer und Schüler der ausgewählten Schulen noch vor den Sommerferien Fragebögen. Damit will sich das Ministerium etwa eine Überblick über die Zahl der Abbrecher in einer Region verschaffen. Erstmals könne damit nach möglichen Ursachen geforscht werden, hieß es. Ausgewertet werden die Fragebögen vom Kooperationspartner Bertelsmann-Stiftung. Langfristig sollen eigenverantwortlichen Schulen auch über Budget und Personal entscheiden können.

Eine herbe Enttäuschung gab es für Busemann aber schon vor dem Auftakt. Statt der angekündigten 200 Schulen beteiligen sich nur 130 an dem Projekt. In vielen Regionen des Landes gab es überhaupt kein Interesse. Das Tor für weitere Schulen sei nicht geschlossen, appellierte der Minister.

Mit der heftigen Kritik der Opposition dürfte Busemann gerechnet haben. SPD und Grüne warfen ihm konzeptionelle Mängel und leere Versprechungen vor. „Das Bertelsmann-Projekt ist ein Flop“, resümierte SPD-Chef Wolfgang Jüttner. Weitaus schmerzlicher dürfte für den Minister die Ablehnung der Lehrerverbände sein. Selbst der eher regierungsfreundliche Philologenverband meldete große Vorbehalte gegen eigenverantwortliche Schule und Schul-TÜV an. Der niedersächsische Verbandschef Guillermo Spreckels warnte vor überzogenem Reformtempo. Das „Raumschiff Kultusministerium“ ziehe seine Bahnen inzwischen weit entfernt vom Schulalltag. Ähnlich kritisch äußerten sich auch die Realschullehrer und die Gewerkschaft GEW.