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NWZonline.de Region

Kommt die Schulempfehlung für Viertklässler zurück?

07.11.2017

Hannover /Goslar /Cloppenburg Neuer Schulstreit in Niedersachsen: Der Philologenverband, der vor allem Gymnasiallehrer vertritt, fordert von der künftigen Landesregierung die Wiedereinführung der Schullaufbahnempfehlung für Viertklässler. Die derzeitigen unverbindlichen Beratungsgespräche seien „reine Augenwischerei““, kritisiert Verbandschef Horst Audritz im Vorfeld des an diesem Dienstag beginnenden Philologentags in Goslar. Viel zu viele Schüler würden auf der falschen Schule landen. „Es ist Realität, dass Kinder das Gymnasium besuchen, die eher für eine Realschule oder eine Hauptschule geeignet sind“, klagt Audritz.

Das Kultusministerium weist die Kritik scharf zurück – ebenso wie viele Grundschullehrer. „Bei uns sind keine Probleme aus dem Schulalltag angekommen“, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums der NWZ. Die zweimaligen Beratungsgespräche mit den Eltern der Grundschüler würde protokolliert und gäben einen detaillierten Kompetenzstand und gegebenenfalls auch Förderbedarf der Kinder wider. Erziehungsberechtigte könnten so „eigenverantwortlich über den weiteren Bildungsweg des Kindes entscheiden“. Die frühere Schullaufbahnempfehlung am Ende der Grundschule wurde von Rot/Grün zum Schuljahr 2015/16 abgeschafft. Etwa 43 Prozent der Grundschüler wechseln auf ein Gymnasium.

„Wir brauchen wieder ein Bekenntnis zu Leistung, zu Noten und zur Versetzung“, fordert Philologenverbandschef Audritz dagegen eine Kehrtwende. „Und da müssen Lehrkräfte Farbe bekennen“. Unterstützung erhält der Verband beispielsweise durch Pädagogen im Nordwesten.

Annette Ovelgönne-Jansen, Leiterin des Clemens-August-Gymnasiums Cloppenburg, bekennt sich als eine „Verfechterin der Empfehlung“. „Viele Eltern sind seit dem Wegfall der Empfehlung unsicher“, beobachtet sie: „Wir versuchen, ihnen in Gesprächen eine Empfehlung zu geben, die viele aber nicht so annehmen.“ Ein Kind um jeden Preis aufs Gymnasium zu schicken, müsse nicht immer sinnvoll sein.->

Schullaufbahn-Empfehlung

Korrekturbedarf Hans Begerow

Rot/Grün hat die Schullaufbahn-Empfehlung abgeschafft. Sie hatte bis zu jenem Zeitpunkt dafür gesorgt, dass die Kinder eine weiterführende Schule nach ihren Neigungen und Fähigkeiten besuchten. In den meisten Fällen war die Empfehlung der Grundschulpädagogen zutreffend. Seither, seit der Elternwille maßgeblich ist, ist ein zunehmender Trend zum Gymnasium als beliebtester Schulform auszumachen. Leider decken sich die Wünsche der Eltern nicht immer mit der Leistungsfähigkeit der Schüler, sodass es in den höheren Jahrgängen zu Rückläufen vom Gymnasium kommt. Eine Wiedereinführung der Schullaufbahnempfehlung wäre eine sinnvolle Korrektur der Fehlentwicklung.

Die Sozialdemokraten werden sich freilich mit Händen und Füßen wehren, würde die Laufbahnempfehlung doch ihr Lieblingskind Integrierte Gesamtschule treffen. Da hatte sich herausgestellt, dass Schüler mit Gymnasialempfehlung an der IGS eine kleine Minderheit waren (empfohlen ist ein Drittel-Mix von Hauptschülern, Realschülern und Gymnasialschülern). Eltern leistungsmäßig stärkerer Schüler schicken ihre Kinder lieber aufs klassische Gymnasium.

Was neben der fundierten Empfehlung wichtig ist: Das Schulsystem muss durchlässig bleiben und Alternativen anbieten: Hauptschüler können den Realschulabschluss nach Klasse 10 erwerben. Realschüler können das Abitur am beruflichen Gymnasium ablegen.

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