HANNOVER/GOSLAR - Kultusminister Busemann verspricht, das Reformtempo zu drosseln. Die SPD sieht sich in ihrer Kritik bestätigt.
Von Marco Seng
und unseren Agenturen
HANNOVER/GOSLAR - Neuer Streit um die Schulpolitik der Landesregierung: Die Gymnasiallehrer warnen vor einer Überlastung der Pädagogen und einer Verschlechterung der Unterrichts durch die Einführung der „Eigenverantwortlichen Schule“ im Sommer 2007. „An den Gymnasien gärt es“, sagte der Chef des Philologenverbandes, Guillermo Spreckels, beim Philologentag 2006 in Goslar. Die Lehrer seien angesichts ständig steigender Arbeitsbelastung so unzufrieden wie noch nie.Die wöchentliche Arbeitsbelastung von Gymnasiallehrern liege derzeit bereits bei mindestens 55 Stunden, erklärte der Geschäftsführer des Philologenverbandes, Roland Neßler. Wenn durch die bevorstehende Reform die Verpflichtung zur Mitarbeit an weiteren schulinternen Kommissionen hinzu komme, werde bei vielen Kollegen die Grenze der Belastbarkeit überschritten. „Viele Lehrer fühlen sich schon jetzt ausgebeutet und überlastet.“ Die früher bei den meisten Lehrern vorhandene optimistische Grundhaltung sei immer seltener zu finden.
Kultusminister Bernd Busemann (CDU) versprach den Gymnasien, die Umsetzung der Reform zu erleichtern. „Beim Reformtempo in Sachen Eigenverantwortlicher Schule nehmen wir bekanntlich den Fuß vom Gas“, sagte er in Goslar. Die Gymnasien erhielten dadurch die erforderliche Zeit, mit den neuen Aufgaben umzugehen.
Der Philologenverband warf der Landesregierung erneut vor, nicht genügend Lehrer einzustellen und die vorhandenen Lehrkräfte zu schlecht zu bezahlen. Die eigentlich für den zusätzlichen Förderunterricht vorgesehenen Lehrkräfte müssten momentan eingesetzt werden, um wenigstens den Pflichtunterricht einigermaßen abzudecken. Immer mehr junge Lehrer wanderten in andere Bundesländer ab. Darunter leide auch die Unterrichtsversorgung. Busemann verwies auf die mangelnde Nachwuchswerbung in früheren Zeiten.
Die 250 Millionen Euro, die für eine komfortable Stellenreserve nötig wären, habe das Land nicht. Die SPD sieht sich durch den Philologentag in ihrer Kritik an den Stundenausfällen bestätigt. „Endlich gibt Busemann zu, dass eine mangelhafte Unterrichtsversorgung an unseren Schulen existiert“, erklärte die SPD-Schulexpertin Ingrid Eckel.
