HANNOVER - HANNOVER - In Niedersachsen sollen künftig in den Schulen Schüler mit einer Rechenschwäche (Dyskalkulie) gefördert werden. Hans-Joachim Lukow, Leiter des Osnabrücker Zentrums für mathematisches Lernen, begrüßt den entsprechenden Erlass-Entwurf. Nach Schätzungen des Kultusministeriums in Hannover sind in Niedersachsen bis zu 30 000 Kinder von einer solchen Rechenschwäche betroffen.

Frage: Wie beurteilen Sie den Entwurf des Niedersächsischen Kultusministerium eines Erlasses zur Förderung von Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen?

Lukow: Die Richtlinien sind durchaus positiv zu werten. Das Problem der Dyskalkulie (Rechenschwäche) wird erstmalig in dieser Form aufgegriffen. Es wird festgehalten, dass es bei den betroffenen Kindern zusätzlichen Förderbedarf gibt, der je nach Ausprägungsgrad gestaltet werden muss. Auch als Vertreter einer privaten Einrichtung teile ich die Stoßrichtung, dass die Schule in erster Linie zuständig ist und dass nur in Fällen, in denen die schulischen Möglichkeiten erschöpft sind, außerschulische Förderungen hinzugezogen werden sollen.

Frage: Wie sehen Sie die Wirksamkeit von schulischen Maßnahmen?

Lukow: Für die Schule gilt das Gleiche wie bei anderen Einrichtungen, die der Dyskalkulie zu Leibe rücken wollen. Es sind entsprechende Fortbildungen für die Kollegen aus der Schule notwendig und sie müssen ein Stundendeputat zu Verfügung gestellt bekommen, um die erworbenen Kenntnisse anwenden zu können. Größere Lerndefizite sind nicht im Rahmen einer Binnendifferenzierung im Klassenverband zu beseitigen.

Frage: Gibt es Ihrerseits Möglichkeiten mit der Schule zusammen zu arbeiten und Resultate Ihrer Arbeit zu Verfügung zu stellen?

Lukow: Wir arbeiten seit unserer Gründung vor acht Jahren mit den Schulen zusammen. Wenn Kinder oder Jugendliche im Rahmen einer Lerntherapie zu uns kommen, dann gehört der regelmäßige Austausch und die Koordination der Förderung mit der Schule zu unserem Konzept. Wichtig in diesem Zusammenhang sind aber unsere Fortbildungsangebote. Neben grundliegenden Einführungen zum Thema bieten wir auch ganztägige Lehrerfortbildungen für Grundschulen an, in denen Diagnose, Früherkennung, Prävention und Förderung vertiefend behandelt wird.

Frage: Und wie wird speziell dieses ganztägige Angebot in Anspruch genommen?

Lukow: Die Fortbildungen im allgemeinen sind schon mehr als 200 Mal in Anspruch genommen worden. Die ganztägigen Angebote werden in Nordrhein-Westfalen häufig genutzt, in Niedersachsen allerdings kaum gebucht. An den Lehrern liegt es aber sicher nicht.