Hannover - Nach Wochen der Schließung und unzureichender Notbetreuung fordern Elterninitiativen, die Kitas für alle Kinder zu öffnen. „Der Stufenplan der Landesregierung gibt den Eltern noch keine ausreichende Perspektive“, sagte Christine Heymann-Splinter von der Landeselternvertretung der niedersächsischen Kindertagesstätten der NWZ. Die Sorgen der Eltern um ihren Arbeitsplatz werde nicht hinreichend berücksichtigt.

Bei einer Umfrage der Elternvertretung sprachen sich 73 Prozent der knapp 47 000 Teilnehmer für eine schnellstmögliche Öffnung der Kitas vor den Sommerferien aus. Die Doppel-Belastung durch Berufstätigkeit und die Betreuung der Kinder zuhause sei auf Dauer nicht darstellbar. Heymann-Splinter, Mutter von zwei Kindern (1 und 3), rief die Kommunen auf, mehr Räume für die Betreuung zur Verfügung zu stellen, etwa Dorfgemeinschaftshäuser.

KULTUSMINISTER TONNE IM NWZ-INTERVIEW „Lockerungen müssen bald bei Eltern ankommen“

Stefan Idel Redaktion Hannover

Angesichts der Klagen bat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Träger um mehr Flexibilität. „Die Lockerungen müssen auch bald bei den Eltern ankommen“, sagte Tonne im NWZ-Interview. Die Träger können die Notbetreuung – also die Aufnahme von Kindern mit Unterstützungsbedarf oder bei Härtefällen – auf 50 Prozent der Gesamtzahl in der Kita erhöhen und hätten dabei „sehr große Freiheiten“. Zusätzlich zur Notbetreuung seien die Kita-Träger angehalten, allen Vorschulkindern ein verbindliches Angebot zu machen. Sie sollen ausreichend Zeit bekommen, sich auf den Schulstart vorzubereiten.

Volker Bajus (Grüne) warf der rot-schwarzen Landesregierung vor, sie habe „die lange Zeit des Shutdowns nicht genutzt, um ordentliche Konzepte auf den Weg zu bringen“. Trotz Rechtsanspruchs gebe es für 350 000 Kinder in Niedersachsen derzeit keine Betreuung, sagte er der NWZ. Bei der Notbetreuung würden soziale Aspekte zu wenig berücksichtigt. FDP-Bildungsexperte Björn Försterling sagte: „Minister Tonne schafft mit seinem Stufenplan für die Kita-Öffnungen keine Entlastung für die Familien, er stiftet lediglich Verwirrung und Frust.“

Nach Angaben des Ministeriums liegt die Betreuungsquote in der Notbetreuung in dieser Woche bei elf Prozent. In der Vorwoche waren es 8,6 Prozent. Am 25. März, kurz nach den Kita-Schließungen, lag die Quote bei 1,37 Prozent.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent