HANNOVER - Riesenärger an Niedersachsens Schulen: Weil zu viele Stunden ausfallen, will die CDU/FDP-Landesregierung Teilzeit-Lehrer mehr unterrichten lassen. Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) hat alle Teilzeitanträge auf Eis gelegt. Lehrerverbände und Gewerkschaften sind empört und drohen mit Streik. Auch die Landtags-Opposition kritisierte die Pläne scharf.
Die Lehrergewerkschaft GEW warf Heister-Neumann vor, sie wolle fehlende Stellen durch eine höhere Belastung der Lehrer ausgleichen. „Diese Nummer läuft nicht“, sagte GEW-Landeschef Eberhard Brandt am Donnerstag in Hannover. Er kündigte Proteste an. Zudem will die GEW mit Warnstreiks, die auch Unterrichtsausfälle an Schulen zur Folge haben, eine bessere Bezahlung fordern. Aus Sicht der Gewerkschaft fehlen in Niedersachsen mehr als 1000 Lehrerstellen.
Der Vorsitzende der Philologenverbandes, Guillermo Spreckels, sprach von einer „völlig falschen Maßnahme“. Heister-Neumann löse damit bei den Lehrern Misstrauen aus, sagte er dieser Zeitung. Spreckels warnte davor, dass sich das Problems des Unterrichtsausfalls an den Gymnasien im kommenden Schuljahr noch verschärfen werde. „In den Mangelfächern gibt es zu wenig Bewerber.“ Die Opposition wertete die Pläne der Ministerin als „Panikreaktion“. Die SPD sprach von einem „Affront“. Auch aus den Koalitionsfraktionen von CDU und FDP gab es verhaltene Kritik.
Nach Angaben von Ministeriumssprecher Andreas Krischat wird sich die Ministerin Anfang Februar in einem Schreiben an die Pädagogen fragen, ob sie zu einer Aufstockung ihrer Stundenzahl bereit seien. Damit solle die Unterrichtssituation für die kommenden zwei Jahre verbessert werden. Insgesamt haben in Niedersachsen fast 25 000 Pädagogen – rund ein Viertel aller Lehrer – ihre Arbeitszeit reduziert, ein Teil aus familiären und sozialen Gründen. Rund 10 000 davon beantragten Teilzeit aus anderen Motiven heraus. Nur diese habe die Ministerin mit ihrem Appell im Blick, sagte Krischat.
GEW-Chef Brandt betonte, dass viele Lehrer wegen Überlastung durch große Klassen und viele Klausuren wenig unterrichten wollen. Die Anträge auf Teilzeit müssen die Lehrer bis Ende Januar stellen. Heister-Neumann hatte im vergangenen Jahr bereits Ärger mit den Lehrern wegen der Arbeitszeitkonten.
