HANNOVER - HANNOVER/SE - Die Schulen waren im Landtag erneut Zankapfel zwischen Regierungskoalition und Opposition. Nach dem Schlagabtausch über die Schulreform vom Mittwoch stritt man gestern über das Thema Unterrichtsausfall. Eineinhalb Stunden dauerte die teilweise tumultartige Debatte.

SPD und Grüne warfen dabei Kultusminister Bernd Busemann (CDU) vor, die Öffentlichkeit bewusst zu täuschen. SPD-Chef Wolfgang Jüttner vermutet, dass rund 1000 Lehrerstellen ein Jahr unbesetzt bleiben, damit Busemann seine Sparauflagen von knapp 50 Millionen Euro erfüllen kann. So sei im ersten Schulhalbjahr die Einstellung von 500 Lehrern verzögert worden. Der Minister verweigere der SPD die Beantwortung ihrer Frage, kritisierte Jüttner. „Wir akzeptieren nicht, dass die niedersächsische Öffentlichkeit hinter die Fichte geführt wird.“

Busemann wies die Vorwürfe zurück. Die Unterrichtsversorgung habe sich im Vergleich zur SPD-Regierungszeit deutlich verbessert. Der Wert liege inzwischen bei fast 100 Prozent. Durch die Neueinstellung von 2500 Lehrern vor zwei Jahren könnten 20 000 Unterrichtsstunden im Schuljahr mehr gegeben werden als noch 2002. Der Minister räumte allerdings ein, dass einige Regionen mehr Sorgen machen. „Sehr oft steht hinter einem Unterrichtsausfall auch ein örtliches Management-Problem.“ Es sei nicht damit getan, den Kultusminister aufzufordern, mehr Lehrer zu schicken.

Die Opposition rechnet anders als die Landesregierung. Nach ihrer Meinung sind viele der neu eingestellten Lehrer durch die Schulstrukturreform „verbraucht“. Alleine die Abschaffung der Orientierungsstufe habe zu einem Mehrbedarf von 1161 Stellen geführt. Schlussfolgerung der SPD: Mehr Unterricht sei so gar nicht möglich. Jüttner warf Busemann vor, mit Heraufsetzung der Klassengrößen und Rechentricks seine Zahlen zu frisieren. Der SPD-Chef vermutet, dass das Land auch bei den so genannten Feuerwehrlehrern spart, die im Falle von Krankheiten oder Schwangerschaften einspringen sollen. So gebe es an einem Gymnasium in Vechta für 7 schwangere Lehrerinnen keinen Ersatz. Laut Busemann stehen dafür jedoch wie im Vorjahr 18 Millionen Euro im Etat.