HANNOVER - HANNOVER/DPA - Die Integration ausländischer Kinder in die deutsche Gesellschaft ist aus Sicht des Kriminologen Christian Pfeiffer völlig unzureichend. „In keinem anderen europäischen Land gelingt die Integration von Migranten so schlecht wie in Deutschland“, sagte er in Hannover angesichts der Gewaltprobleme an einer Berliner Hauptschule. „Wir müssen schon auf der Kindergartenebene damit anfangen – in der Schule ist es bereits zu spät.“

Der Wissenschaftler forderte, mindestens 20 Prozent aller Kindergartenplätze Kindern von Migranten zur Verfügung zu stellen, um deren Isolation zu verhindern. Dass die Gewalt in den meisten Bundesländern an den Hauptschulen eskaliere, sei zudem ein strukturelles Problem, meinte Pfeiffer. „Diese Hauptschule genannte Restschule wird immer mehr zu einer Verliererschule.“

Der frühere niedersächsische Justizminister sprach sich für eine Regelschule nach dem Vorbild Thüringens aus, in der die Schüler der Klassen 5 bis 8 von Haupt- und Realschule gemeinsam unterrichtet werden. Der gemeinsame Unterricht verhindere, dass Schüler mit einer Verweigerungshaltung ganze Klassenverbände dominieren. Pfeiffer: „Das wird die Probleme nicht komplett lösen, aber es ist ein struktureller Beitrag dazu.“ Ein weiteres Problem sieht Pfeiffer im „überzogenen Medienkonsum“ vor allem unter männlichen Jugendlichen. „Wenn wir daran etwas ändern wollen, brauchen wir Ganztagsschulen, die nachmittags ein bunt gemischtes Programm aus Sport und Kultur anbieten und Lust aufs Leben wecken. Nur Fernsehen und Computerspiele – das ist ein krankes Leben von vornherein.“

Nach dem Hilferuf der Berliner Rütli-Schule haben vor allem CDU und CSU eine härtere Gangart gefordert. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sagte der „Welt am Sonntag“, die „blauäugige Multikulti-Gesellschaft“ sei „komplett gescheitert“ und gefährde den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ausländischen Familien, die in Deutschland mit ihren Kindern lebten und über einen längeren Zeitraum die Integration verweigerten, sollten in einem ersten Schritt soziale Leistungen gekürzt werden. „Bei dauerhafter Verweigerung der Integration muss in einem zweiten Schritt auch der Aufenthalt in Deutschland beendet werden.“