HANNOVER - In Niedersachsen greifen immer mehr Kinder und Jugendliche hemmungslos zur Flasche. Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei jungen Menschen sei zwischen 2006 und 2009 um fast ein Viertel gestiegen, teilte die Techniker Krankenkasse (TK) am Dienstag in Hannover mit. Eine Auswertung der Daten der Ersatzkassen habe ergeben, dass im Vorjahr 800 Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren wegen Koma-Trinkens in einer Klinik behandelt wurden.

„Hochgerechnet auf alle gesetzlichen Krankenkassen in Niedersachsen wären das rund 2200 jugendliche Patienten“, sagte TK-Sprecher Frank Seifert. Junge Koma-Trinker lägen meist ein bis zwei Tage im Krankenhaus. Je nach Schwere des Falls entstünden Kosten zwischen 500 und mehr als 1600 Euro. Die den Ersatzkassen dadurch entstandenen Kosten stiegen auf mehr als 440 000 Euro an.

Die Untersuchung der Technischen Krankenkasse bezieht sich auf die Daten von 2,5 Millionen Niedersachsen, die bei Ersatzkassen versichert sind.

Ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums betonte, dass es Aufgabe der gesamten Gesellschaft sei, spätere Suchtkarrieren zu verhindern. „Doch Besserwisserei oder der moralische Zeigefinger helfen bei vielen Betroffenen nicht weiter. Nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Eltern, Pädagogen, Schulen und Beratungsstellen kommen wir voran.“ Gerade Erwachsene hätten eine Vorbildfunktion.