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Verhandlungen Harte Nuss für Koalitionäre

Gunars Reichenbachs Büro Hannover

Hannover - Die politische Bombe platzt mitten hinein in die Koalitionsverhandlungen von SPD- und CDU-Fachleuten zur künftigen Bildungspolitik in Niedersachsen. Die Forderung des Philologenverbandes, die Schullaufbahnempfehlung am Ende der Grundschule wieder einzuführen, trifft die Expertenrunde mitten in den Beratungen. Kaum ein Streit in Bildungsfragen wird zwischen SPD und CDU schärfer geführt als bei der Schullaufbahnem­pfehlung – nur bei der Inklusion liegen die Vorstellungen der zukünftigen Regierungspartner noch weiter auseinander.

Für die CDU liegt die Sache klar: Rückkehr zu alten Prinzipien. Die Lehrkräfte von Viertklässlern können am besten beurteilen, auf welche weiterführende Schule das Kind gehört – Gymnasium, Gesamtschule, Haupt-, Real- oder Oberschule. „Wir werden den Eltern für ihr Kind am Ende der Grundschulzeit eine Schullaufbahnempfehlung mit auf den Weg geben“, lässt die Union im Wahlkampf keinen Zweifel an ihrer Position. Auch nicht daran, dass „wir in allen Grundschulen wieder Noten ab dem dritten Schuljahrgang einführen werden“.

Diametral entgegengesetzt die Haltung der SPD: Mit den Grünen wurde die Schullaufbahnempfehlung kurz nach der Regierungsübernahme zum Schuljahr 2015/16 gekippt und durch zwei verbindliche Beratungsangebote für Eltern ersetzt. „Damit wird Druck, unter dem schon Grundschüler stehen, gemindert“, betont das Kultusministerium. Das Ziel: „Ein möglichst langes Offenhalten des Bildungsweges.“

Wie Orientierung geben?

Niedersachsens Lehrer zeigen sich gespalten in ihrem Urteil. Während der Philologenverband das Rad zurückdrehen möchte, stehen Lehrkräfte an Grundschulen wohl überwiegend hinter dem neuen Konzept. Tatsächlich haben im letzten Schuljahr von rund 73 000 Grundschülerinnen und -schülern insgesamt 31 750 (43 Prozent) die Schulform Gymnasium angewählt.

„Wir brauchen die Rückkehr zur alten Empfehlung nicht, diese hat sich überholt“, sagt Franz-Josef Meyer, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), im Gespräch mit dieser Zeitung. Von den 2500 VBE-Mitgliedern sind viele in Grundschulen tätig. „Gespräche und Protokoll sind viel detaillierter als eine kurze schriftliche Empfehlung auf dem Zeugnis“, betont Meyer. Das Verfahren sei „wesentlich ausführlicher“. Das beweise auch die Resonanz, betont Meyer: „Die Eltern von Grundschülern empfinden die Gespräche als sehr hilfreich und fühlen sich besser beraten.“

Diese Beobachtung teilt der FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling absolut nicht. „Mit der Kuschelpädagogik muss jetzt Schluss sein. Die künftige Landesregierung muss die Laufbahnempfehlung in der vierten Klasse der Grundschule wieder einführen“, hält der Liberale dagegen: „Sonst landen weiterhin zahlreiche Kinder an der falschen Schule, weil die Verantwortung alleine auf die Eltern abgewälzt wird.“ Viele Eltern seien „teilweise rat- und orientierungslos“. Kaum ein anderes Bundesland verzichte deshalb auf diese Methode. Auch das Ziel, den Leistungsdruck von den Kindern zu nehmen, sei durch die Abschaffung nicht erreicht worden. „Das nachträgliche Scheitern am Gymnasium ist für die Kinder belastender“, sagt Försterling.

Auch die Grünen beziehen in diesem Schulstreit um Schullaufbahnempfehlungen klar Position. „Wenn wir Richtung Norden zum Pisa-Sieger Finnland schauen, lautet die Antwort ganz klar: Gute Schule wird nicht aus Zensuren und Laufbahnempfehlungen gemacht, sondern aus individueller Förderung und guter Kommunikation. Für beides braucht es Zeit und Raum“, sagt die Grünen-Bildungspolitikerin Julia Willie Hamburg.

Expertenrunden tagen

Ob SPD und CDU darauf hören? Die Expertenrunden der künftigen Regierungspartner tagen seit dem vergangenen Freitag – auch die Bildungspolitiker. Ergebnisse müssen auf den Tisch drei Wochen nach der Landtagswahl. „In den meisten Punkten geht es gut voran“, sagte der SPD-Landesgeschäftsführer Georg Brockmeyer.

An diesem Dienstag kommt der Lenkungsausschuss unter Führung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und CDU-Landeschef Bernd Althusmann zum ersten Gespräch zusammen. Dabei geht es zunächst einmal um die aktuelle Finanzlage: Beide Seiten wollen mit einer Art Kassensturz prüfen, welchen finanziellen Rahmen es für künftige Vorhaben einer gemeinsamen Regierung gibt.

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