HANNOVER/WILHELMSHAVEN - Die Gesamtschulen in Niedersachsen müssen inzwischen fast jeden zweiten Schüler ablehnen, weil nicht genug Plätze vorhanden sind. Nach Angaben des Gesamtschulverbandes wurden für das kommende Schuljahr fast 7000 Kinder auf Gesamtschulen angemeldet. Rund 3000 Schüler erhielten eine Absage.

„Die steigenden Anmeldezahlen 2008 sind Ausdruck der Attraktivität der Gesamtschulen für viele Eltern und Ausdruck des Scheiterns der gesamtschulfeindlichen Bildungspolitik der Landesregierung“, erklärte der Landesvorsitzende des Gesamtschulverbandes, Gerd Hildebrandt (Wilhelmshaven). Nach seiner Ansicht melden viele Eltern ihre Kinder auf Integrierten Gesamtschulen an, weil dort das Abitur noch nach 13 Schuljahren möglich ist. Die Verkürzung der Schulzeit an den Gymnasien sei für viele Eltern durch hohe Wochenstundenzahl, steigende Hausaufgabenbelastung und hohen Leistungsdruck nicht wünschenswert.

Das Kultusministerium erklärte, dass eine abschließende Bewertung der Anmeldezahlen noch nicht möglich sei, weil die Anmeldungen noch liefen. „Nicht alle Schulen bilden so viele Klassen, wie rechtlich möglich wäre“, sagte Ministeriumssprecher Stefan Muhle. An den bestehenden Gesamtschulen könnten sonst 2500 zusätzliche Plätze entstehen.

Die Landtags-Opposition warf der CDU/FDP-Landesregierung vor, neue Gesamtschulen verhindern zu wollen. „Der Elternwille wird hier eindeutig missachtet, sagte die SPD-Schulexpertin Frauke Heiligenstadt. „Diese Landesregierung ist für jedes einzelne Schicksal verantwortlich“, kritisierte die Grünen-Schulpolitikerin Ina Korter (Nordenham). Der Landtag will in der kommenden Woche das neue Schulgesetz verabschieden. Danach sind Neugründungen von Gesamtschulen bald möglich. Die Opposition bemängelt, dass das Gesetz zu spät kommt und es viele Hürden gibt.