Oldenburg - Wenn am letzten Ferientag – Mittwoch, 2. September – die Oldenburger Kinder-Uni mit einer Vorlesung über das „Abenteuer Spitzensport“ startet, werden die kleinen Studenten im Hörsaal auf zwei vertraute Erwachsene treffen: Carolin Würtz (28) und Sebastian Koch (31). Die beiden Oldenburger gehören zu den rund 20 „studentischen Hilfskräften“, die den Acht- bis Zwölfjährigen während einer Vorlesung mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Dabei sind die beiden längst keine Lehramt-Studenten mehr, als welche sie einst ins Team der Kinder-Uni kamen, sondern unterrichten mittlerweile selbst als Lehrer. Umso erstaunlicher, dass sie der Kinder-Uni die Treue halten. „Das Team ist toll und die Atmosphäre ausgesprochen herzlich“, sagt Carolin Würtz, die bereits seit 2007 dabei ist. Seit zwei Jahren arbeitet sie nun als Lehrerin an der Grundschule Hollen (Leer). Die Nachmittage für die Kinder-Vorlesungen hält sich die 28-Jährige gerne frei. „Man kann als Lehrerin Dinge neu denken. Das tut gut“, betont sie.
Viel Wissenswertes
Ja, und manchmal könne man sogar noch etwas dazulernen, überlegt Sebastian Koch und erinnert sich lächelnd an eine Vorlesung seines damaligen Mathe-Professors über Stochastik. Der gebürtige Braunschweiger kam bereits 2006 zur Kinder-Uni, die zwei Jahre zuvor aus der Taufe gehoben worden war und seither äußerst erfolgreich läuft. „67 000 Mädchen und Jungen haben seither 75 Vorlesungen besucht“, bilanziert Dr. Corinna Dahm-Brey, Leiterin der Uni-Pressestelle.
Dass an einem gewöhnlichen Mittwochnachmittag zwischen 500 und 700 begeisterte Kinder ins Hörsaalzentrum A14 am Uhlhornsweg strömen, sei schon großartig, ergänzt Presse-Kollegin Katja Brandt, die sich nach jeder Vorlesung bei den studentischen Hilfskräften eine kurze Rückmeldung holt. Größere Probleme habe es bisher keine gegeben. Und wenn, dann mit den Eltern, weil diese nicht mit in den Hörsaal dürfen, fügt sie schmunzelnd hinzu.
Nervöse Professoren
Aber so funktioniert Kinder-Uni nun einmal. Die Kleinen genießen eine Stunde lang eine Vorlesung über ein wissenschaftliches Thema. Eltern dürfen im Foyer das Geschehen bei Kaffee und Kuchen auf einer Leinwand verfolgen. Den Aufwand für eine Kinder-Vorlesung schätzt Corinna Dahm-Brey auf etwa 20 bis 30 Mal so hoch wie für eine gewöhnliche Semester-Veranstaltung. „Einige der Professoren sind sogar richtig nervös“, verrät sie.
Ob ein Thema beim Nachwuchs gut ankommt oder nicht, „das merken wir sofort“, erzählt Sebastian Koch. „Naturwissenschaftliche Themen, bei denen es zischt und knallt, sind Selbstläufer. Da haben wir kaum etwas zu tun.“ Doch es gibt natürlich auch Nachmittage, an denen die Kinder unruhig auf ihren Sitzen herumrutschen, mit den Klapptischen spielen, vermehrt reden, essen und zur Toilette müssen. Dann stehen die Studenten, die man gut an ihren gelben Shirts erkennen kann, helfend zur Seite oder ermahnen auch schon mal zur Ruhe.
Sebastian Koch kann sich eine Rückmeldung mittlerweile von seinen eigenen Grundschülern aus Ocholt (Westerstede/Kreis Ammerland) holen, wo er seit vier Jahren unterrichtet. Mit 54 Dritt- und Viertklässlern charterte er im vergangenen Semester einen Bus und fuhr nach Oldenburg. Die Schüler fanden den Ausflug super. „Das machen wir bestimmt mal wieder“, verspricht der 31-Jährige.
Die nächste Gelegenheit bietet sich am Mittwoch, 2. September. Dann startet das neue Herbstsemester mit „Abenteuer Spitzensport“, gefolgt von „Chemie ist, wenn es schmeckt“ (9. September) und „Hören mit Hörgeräten – wie funktioniert das eigentlich?“ (23. September).
