IM NORDWESTEN - Die Turnhalle ist „abgängig“, heißt es im Amtsdeutsch. Ein Satz, den nur Experten begreifen, sagt Hannelore Hunter-Rossmann. Er bedeutet soviel wie „die Sportstätte ist Schrott“, erläutert die Sprecherin der SPD-Fraktion im Kreistag des Landkreises Oldenburg.

Die Fraktion verlangt von der Kreistagsverwaltung in Wildeshausen, alle Antragsformulare, Informationsblätter, Beschlüsse und Mitteilungen auf ihre Verständlichkeit zu überprüfen. Häufig seien die Bürgerinformationen sprachlich zu kompliziert, so Hunter-Rossmann. Formulierungen wie „Ablichtung“ statt Kopie oder „vorstellig werden“ statt besuchen, seien keine Seltenheit.

Anlass des SPD-Vorstoßes ist ein Programm des Fachbereichs Angewandte Linguistik der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2006 helfen Germanisten der Universität Kommunen ihre Formulierungen zu verbessern. Dieses oder ein ähnliches Konzept sei auch etwas für den Landkreis, meint Hunter-Rossmann.

Dass das Anliegen Interesse weckt bestätigt Oliver Galeotti, Pressesprecher des Landkreises Oldenburg. In der nächsten Amtsleitersitzung im März soll es auf alle Fälle behandelt werden. Ähnliche Erfahrungen wie der Landkreis hat die Stadt Oldenburg gemacht. „Viele Behördentexte sind nicht klar verständlich“, räumt Stadtsprecher Marco Sagurna ein. Eine Ampel wird im Amtsdeutsch zum Beispiel mit dem Begriff „Signalanlage“ bezeichnet. Solche Formulierungen seien für viele Bürger undurchsichtig. Daher habe die Stadt im Sommer 2008 eine „verwaltungsinterne Organisationsverfügung“ – da ist Sagurna wohl selber in die Amtsdeutsch-Falle getappt – herausgegeben, die die Angestellten auffordert, Fachsprache nur im Notfall zu verwenden. Fremdwörter, englische Floskeln und Schachtelsätze sollen vermieden werden.

Besonders fortschrittlich arbeitet bereits der Landkreis Cloppenburg. Regelmäßig werden Seminare angeboten, auf denen sich die Teilnehmer mit einer verständlicheren Schreibweise beschäftigen, berichtet Kreissprecher Ansgar Meyer. Erstaunlich allerdings, dass diese Kurse als „Inhouse-Seminare“ angeboten werden.

Dass eine unkomplizierte Ausdrucksweise nicht immer zu realisieren sei, weiß Ralf Denker, Leiter des Personal- und Organisationsamtes des Landkreises Ammerland. „Wir arbeiten schon empfängerorientiert, jedoch gibt es gesetzliche Vordrucke, die wir nicht verändern dürfen.“ – Empfängerorientiert?

Bereits vor acht Jahren wurden die Formulare der Stadt Wilhelmshaven überprüft, sagt Pressesprecher Arnold Preuß. Seitdem kontrolliere jeder Fachbereich regelmäßig seine Mitteilungen auf ihre Verständlichkeit hin.

Auch in Friesland läuft etwas. Briefe an die Bürger werden nicht abgeschickt, bevor sie nicht von mehreren Stellen sprachlich überprüft worden sind. „Schließlich sollen die Empfänger verstehen, was sie lesen“, sagt Kreissprecherin Sabine Ahrends.

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