Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

INTERVIEW „Gute Idee schlecht umgesetzt“

Die Lehrpläne müssen dringend überarbeitet werden, fordert der Chemieprofessor. Der Druck sei viel zu groß.

Von Thomas Hellmold

Frage:

Herr Professor Wickleder, die Bachelorstudiengänge machen krank, hat eine Studie festgestellt. Was läuft schief?

Wickleder:

Wir haben einen guten Gedanken, nämlich die Bologna-Idee, einfach schlecht umgesetzt. Das gilt nicht nur für Oldenburg, sondern für die anderen deutschen Hochschulen. Man hat zu oft nur versucht, die alten Lehrpläne in ein neues Korsett zu zwängen. So werden häufig Inhalte, die für einen längeren Zeitraum konzipiert waren, nun in sechs Semestern untergebracht. Hinzu kommt eine hohe Zahl akademisch relevanter Prüfungen – das alles macht viele Studierende in der Tat krank und belastet auch die Lehrenden.

Frage:

Wie macht sich das in der Universität bemerkbar?

Wickleder:

Unsere psychosoziale Beratungsstelle wird vermehrt von Erstsemestern aufgesucht. Früher kamen Studierende vermehrt am Ende des Studiums. Jetzt kommen sie schon am Anfang, ganz einfach weil der Druck von Beginn an zu groß ist.

Frage:

Das scheint inzwischen auch die Politik erkannt zu haben: Die Reform soll reformiert werden. Wie soll das denn aussehen?

Wickleder:

Die Ideen des Bologna-Prozesses müssen noch klarer erkennbar werden. Dies sind für mich vor allem auch die internationale Vergleichbarkeit und die Berufsqualifizierung der Abschlüsse, gerade auf dem Bachelorniveau. Hierzu müssen die Curricula so strukturiert sein, dass sie die entsprechenden Kompetenzen vermitteln und nicht nur – wie zum Teil immer noch – Faktenwissen anhäufen.

Frage:

Warum ist dies nicht gleich bei der Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudien geschehen?

Wickleder:

Die waren ja ungeübt mit dem neuen System und sicher auch etwas träge. Darüber hinaus waren sie viel weniger autonom, als es die Politik gerne darstellt. Die politischen Vorgaben waren schon erheblich. Dennoch: Viele haben sich die Umstellung zu einfach gemacht und alten Wein in neue Schläuche gefüllt. Von diesem Denken müssen wir dringend weg, und ich denke, Oldenburg ist da auf einem sehr guten Weg.

Frage:

Spielen auch die sinkenden Studierendenzahlen eine Rolle?

Wickleder:

Es hat sich der Eindruck verfestigt, dass immer weniger junge Leute ein Studium in Oldenburg aufnehmen wollen, weil sie z. B. Angst vor dem Druck der Bachelorstudiengänge haben oder Stadt und Uni nicht attraktiv sind. Fakt ist aber, dass wir nach der Umstellung auf Bachelor/Master gar nicht mehr so viele Studierende aufnehmen können wie früher.

Frage:

Warum nicht?

Wickleder:

Weil für jede Disziplin ein sogenannter curricularer Normwert politisch vorgegeben wird, der die Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Studierenden bestimmt. Wir können mit unserem begrenzten Personal also nicht mehr so viele Studienbewerber aufnehmen. Auch dies erklärt, warum die Zahl der Studierenden an der Uni Oldenburg unter 10 000 gerutscht ist.

Frage:

Die Abbrecherquote dagegen ist dramatisch gestiegen, das muss Sie doch alarmieren.

Wickleder:

Allerdings. Ein Bologna-Ziel ist ja gerade, dass die Abbrecherquoten sinken. Es kann nicht sein, dass das Gegenteil dabei herauskommt, zumindest in einigen Fächern. Auch wenn wir in Oldenburg bisher ganz gut abschneiden, muss hier etwas geschehen.

Frage:

Beschleunigen die Studiengebühren diesen Negativtrend?

Wickleder:

Das glaube ich nicht. Als Niedersachsen den Studienbeitrag einführte, gingen die Einschreibzahlen im – gebührenfreien – Bremen zwar kurzzeitig nach oben. Das hat sich inzwischen aber wieder nivelliert.
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Kleine Kinder haben Fragen zu Schwangerschaft, Geburt und Stillen. In Oldenburg wollen Hebammen Unterrichtsstunden zu diesen Themen in den vierten Klassen geben.

PILOTPROJEKT IN OLDENBURG Schwangerschaft, Geburt und Stillen – Was Grundschüler bei Hebammen lernen

Anja Biewald
Oldenburg
Analyse
Bundeskanzler Olaf Scholz besucht den Katholikentag in Erfurt

SPD-WAHLKAMPF ZUR EUROPA-WAHL Zieht der Kanzler im Osten?

Kerstin Münstermann Büro Berlin
Delitzsch
Blick in die Räucherkammer bei Aal Bruns in Kayhauserfeld: Marco Pawlik ist mit der Qualität zufrieden.

DELIKATESSE NACH ÜBERLIEFERTER REZEPTUR Woher kommt der Zwischenahner Aal?

Kerstin Schumann
Kayhauserfeld
Der Bergpark Wilhelmshöhe: Hier befinden sich etliche Sehenswürdigkeiten.

NWZ-REISETIPPS: ABSTECHER NACH ... KASSEL Entspannte Stunden in historischen Parks

Kerstin Schumann
Kassel
Vor etwa einem Jahr eröffnete der Pflegedienst Paul-Lina seinen neuen Hauptsitz in Wittmund. Wegen eines Insolvenzverfahrens musste der Pflegedienst seinen Betrieb aufgeben.

STANDORTE IN WITTMUND UND EMDEN Insolvenz bei Pflegedienst Paul-Lina – So geht es für die Kunden weiter

Kim-Christin Hibbeler
Wittmund