Dr. med. Andreas Klose praktiziert als Facharzt für Gastroenterologie und Innere Medizin. Er hat eine Praxis in Jever.
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FRAGE:
Aktuellen Studien zufolge kommt es bei Darmspiegelungen pro Jahr zu 180 Todesfällen durch das Narkosemittel Propofol. Ist die Untersuchung ein tödliches Risiko?
KLOSE
: Nach Erscheinen des Artikels in der regionalen und überregionale Presse rufen uns täglich viele besorgte Patienten an und fragen nach der Gefährlichkeit dieses Narkosemittels. Die Studie, die gemeint ist, ist nicht von der Medizinischen Hochschule Hannover, sondern von einem Stadtkrankenhaus in Hannover. Die Studie wurde in den Jahren 2000 bis 2005 durchgeführt. Es wurden ausschließlich Patienten untersucht, die sich einer Notfall-Spiegelung unterziehen mussten. Drei Viertel der Patienten lagen auf der Intensivstation und hatten schwerste Erkrankungen. Nicht eine einzige Darmspiegelung wurde im Rahmen der Studie durchgeführt! Die Studie ist somit nicht vergleichbar mit den Bedingungen in einer ambulanten gastroenterologischen Praxis. Vor jeder Magen-Darmspiegelung in der Praxis wird im Rahmen eines Vorgespräches auch das Risiko einer Sedierung untersucht, und es wird dann bei schwerer Grunderkrankung z.B. des Herzens die Untersuchung im Krankenhaus durchgeführt.
FRAGE:
Wie viele Darmspiegelungen finden pro Jahr in Ihrer Praxis statt, und kommt das Medikament dabei zum Einsatz?
KLOSE
: Ich spreche hier als Landesvorsitzender des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen in Niedersachsen (BNG). Dabei vertrete ich etwa 120 gastroenterologische Praxen allein in unserem Bundesland. Im jedem Jahr werden in diesen Praxen ca. 250 000 Magen-Darmspiegelungen durchgeführt. Sehr viele Praxen verwenden dabei das Medikament Propofol. Alle Praxen halten sich dabei beim Einsatz diese Medikamentes streng an die von unserer Fachgesellschaft DGVS herausgegebene Leitlinie zur Sedierung (Google-Recherche: DGVS Leitlinien). Dazu gehört insbesondere eine intensive Schulung in der Anwendung der verschiedenen Medikamente, entsprechendes Überwachungs-Monitoring während der Untersuchung und Beherrschung von Notfällen durch das Praxisteam einschließlich Beatmungstechniken.
FRAGE:
Welche Alternativen gibt es?
KLOSE
: Wir selbst verwenden Propofol seit etwa 5 Jahren. Für einen erfahrenen Untersucher und bei entsprechender Beachtung der Sedierungs-Leitlinie halte ich Propofol für ein sehr sicheres Medikament, um dem Patienten die Magen-Darmspiegelungen so angenehm wie möglich erleben zu lassen.
FRAGE:
Wozu werden Darmspiegelungen durchgeführt?
KLOSE
: Darmspiegelung werden insbesondere zur Darmkrebs-Früherkennung, aber auch zur Abklärung von Darmentzündungen, Darmblutungen und bei unklaren Bauchschmerzen durchgeführt. Insbesondere die Darmkrebsfrüherkennung mittels Darmspiegelung hat in den letzten 8 Jahren bei tausenden Patienten diese bösartige Krebserkrankung verhindert.