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Die Juristin wechselt am 1. Oktober nach Bremen. Von dort aus will sie die Kooperation mit Oldenburg forcieren.
Von Thomas Hellmold
Frage:
Frau Walter, reichen für eine Verwaltungschefin vier Jahre aus, um den Berg an Innovationen, den die Universität angehäuft hat, abzubauen?
Walter:
Man kann sich das nicht so vorstellen, dass es einen Anfang und ein Ende gibt, und irgendwann ist der Berg abgebaut. In einer lebendigen Universität laufen permanent Prozesse ab. Ich denke, wie haben viel erreicht in diesen vier Jahren, sowohl was die Verwaltung als auch was den Wissenschaftsbetrieb angeht. Wir sind gut aufgestellt.
Frage:
Welche Aufgabe lag Ihnen besonders am Herzen?
Walter:
Wir haben eine Personal- und Organisationsentwicklung aufgebaut. Wenn neue Anforderungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestellt werden, müssen sie dies auch nachvollziehen können. Gegen den Willen der Mitarbeiter kann man Neuerungen schlechterdings nicht erfolgreich umsetzen. Mir ist ganz wichtig gewesen, dass wir alle, die in der Universität arbeiten, bei der Umsetzung mitnehmen, dass Aufgaben delegiert werden und jeder Einzelne ein Stück Verantwortung zu übernehmen bereit ist. Ich glaube, dass ist uns ganz gut gelungen.
Frage:
Sie haben immer für eine bessere Verkehrsanbindung der Uni gekämpft. Mit Erfolg?
Walter:
Leider noch nicht, aber das kann ja noch werden. Ich halte nach wie vor einen Haltepunkt der Bahn in Oldenburg-Wechloy für eminent wichtig. Man mag darüber lächeln, aber die Studierenden der Universität Bremen – mit der wir ja kooperieren – erreichen unsere Uni nur sehr umständlich und umgekehrt natürlich auch. Viele von ihnen müssen drei Verkehrsmittel – Straßenbahn, Zug, Bus – benutzen, bis sie uns erreichen. Ähnliches gilt für Gastforscher, die über den Bremer Flughafen anreisen. Dieses Manko ließe sich leicht beheben – die Bahnstrecke nach Leer existiert ja schließlich.
Frage:
Wie weit sind Sie bei den Verhandlungen mit der Bahn vorangekommen?
Walter:
Zunächst hatten wir im Zusammenspiel mit der Stadt Oldenburg sehr positive Signale bekommen.
Leider hat der Bund jetzt die Regionalisierungsmittel gekürzt, und das könnte sich so auswirken, dass neue Haltepunkte zunächst zurückgestellt werden. Wir hoffen aber, dass es ein Umdenken gibt.
Frage:
Ein ungefähres Datum gibt es nicht?
Walter:
Nein, leider nicht.
Frage:
Stichwort Koop
eration. Auch von Ihrer neuen Wirkungsstätte im Bremer Wissenschaftssenat aus sind Sie ja mit dem Thema befasst. Wo sehen Sie die chancenreichsten Ansätze für einen weiteren Ausbau der Kooperation zwischen den Universitäten Oldenburg und Bremen?
Walter:
Sonderforschungsbereiche zum Beispiel kann kaum eine Universität alleine darstellen. Das ist immer eine Kooperationssache. Aber wir mü
ssen auch in der Lehre noch enger zusammenarbeiten, um zum Beispiel Doppelangebote abzubauen. Es muss nicht sein, dass man bestimmte Fächer sowohl in Bremen als auch in Oldenburg studieren kann. Konkurrenzsituation ist wenig hilfreich, beide Hochschulen müssen sich ergänzen.
Frage:
Niedersachsen erhebt von diesem Wintersemester an Studiengebühren. Sind Sie froh, damit nichts mehr zu tun haben zu müssen?
Walter:
Unser Jahrzehnt ist geprägt von der Haushaltsnotlage der Länder. Die Chancen, den Wissenschaftsbereich durch Steuergelder nachhaltig zu stärken, sind nicht sehr rosig. Das muss man einfach so sehen. Es hilft nichts – wir müssen die Studierenden stärker an der Finanzierung ihrer Ausbildung beteiligen. Das mag für manche echte Probleme bringen, es hat aber auch einen positiven Aspekt: Die Studierenden kommen zunehmend in die Rolle von Kunden und können Ansprüche stellen, zum Beispiel an ihre Betreuung . . .
Frage:
. . . was voraussetzt, dass die Gebühren zu hundert Prozent den Studierenden zugute kommen.
Walter:
Dafür müssen wir – messbar und transparent – Sorge tragen, da haben Sie völlig recht.