Delmenhorst/Ganderkesee - Kurz vor der Verabschiedung des Landeshaushalts in Hannover am Freitag, 13. Dezember, machen die Lehrerinnen der beiden Delmenhorster Gymnasien und des Gymnasiums Ganderkesee ihrer Verärgerung Luft. Der Landtag will eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit der Lehrkräfte von 23,5 auf 24,5 Stunden beschließen, darauf sei die knappe rot-grüne Mehrheit eingenordet worden, berichtete am Montag Volker Kragl, Personalrat am Gymnasium an der Willmsstraße. Kragl und seine Personalratskolleginnen und -kollegen hatten vor, dem SPD-Landtagsabgeordneten Axel Brammer eine Protestresolution zu überreichen, unterschrieben von der überwiegenden Mehrheit der Kollegien der drei Gymnasien. Doch Brammer war in Hannover. Stattdessen veranstaltete die Runde der zehn Gymnasialpädagogen im Besprechungsraum der SPD eine spontane Pressekonferenz.
Die Gymnasiallehrer wollen Arbeitszeit und -kraft bei den freiwilligen Leistungen einsparen, um den voraussichtlichen Mehrarbeits-Beschluss abfedern zu können. Aus diesem Grund wollen die Lehrer ab dem Schuljahr 2014/15 reguläre Klassen- und Studienfahrten ausfallen lassen. „200 von 290 Gymnasien haben sich schon angeschlossen“, sagte Hans-Joachim Müller vom Max-Planck-Gymnasium. Der Personalrat des „Maxe“ hat einen Beschluss mit einer zunächst einjährigen Geltungsdauer schon gefasst, am Willms-Gymnasium und am Ganderkeseer Gymnasium werden Beschlüsse vorbereitet.
„Klassenfahrten und Konzerte sind Dinge, die wir freiwillig und unentgeltlich machen. Und die wir auch gerne machen“, betont Personalrätin Anja Röder-Bröning vom Max-Planck-Gymnasium. „Aber irgendwann sind die Kräfte aufgebraucht“, sagt Personalrätin Karen Freund aus Ganderkesee.
Ratsherr Jürgen Stöver riet den Lehrern zu Gelassenheit: „Man kann den Haushalt nachbessern“, sagte er und versprach, die SPD-Fraktion für das Problem zu sensibilisieren. Die Jusos haben keinerlei Verständnis für einen Klassenfahrten-Boykott. In Bayern müssten Lehrer bis zu 28 Stunden in der Woche arbeiten, so Juso-Vorsitzender Hasan Bicerik. „Der Streit zwischen Landesregierung und Lehrern darf nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden“, findet Bicerik und ruft zur Teilnahme an einer Demonstration an diesem Mittwoch in Hannover auf. Anmeldungen an buero.delmenhorst@spd.de.
