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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung Bildung

„Keine Angst vor dem Klimawandel“

27.06.2013

Oldenburg Aufgeregtheit ist Jürgen Rullkötter fremd. Der Oldenburger Meeresforscher ist ein nüchterner Wissenschaftler, für ihn zählen Bestandsaufnahme, Analyse und Schlussfolgerung. Vor seiner Verabschiedung als Direktor des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) rät er auch zu Gelassenheit in Sachen Klimawandel.

„Wir werden eine wärmere Nordsee bekommen und höhere Wasserstände“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Als Folge werde es schwieriger, die Westseiten der ostfriesischen Inseln zu festigen. Außerdem gebe es künftig andere Organismen in der Nordsee. Kabeljau und Hering hätten sich bereits nach Norden verzogen, stattdessen seien schon jetzt Rotbarben aus dem Mittelmeer hier zu finden. Diese Veränderungen könne man beklagen, doch der Küstenraum habe sich immer verändert: „Wenn anschließend wieder ein intaktes Öko-System entsteht, ist das in Ordnung. Dann sollte man nicht mit Gewalt gegensteuern.“

Unnötige Verschmutzungen, so der Meeresforscher, sollten jedoch eingedämmt werden. Das Nitrat aus der Landwirtschaft gehöre dazu, auch Arzneimittel-Rückstände oder Mikromüll aus Plastik. Das sei ein ganz großes Thema, weil die Folgen noch unbekannt seien. Sein Rat: Alle Möglichkeiten nutzen, die Entwicklung aufmerksam zu beobachten.

Genaue Untersuchungen stehen auch im Mittelpunkt der Institutsarbeit. Die ICBM-Messreihen über Temperaturen, Salzgehalt, Wasserstand und Strömungen liefern wichtige Grundlageninformationen, auch für die Offshore-Windkraftanlagen.

Vor dieser Arbeit an der Universität Oldenburg hatte Rullkötter nach Chemiestudium und Promotion 17 Jahre im Kernforschungszentrum Jülich gearbeitet. Dort hat er angefangen, sich mit Meeresthemen zu beschäftigen, auch die Mitarbeit an einem internationalen Tiefsee-Bohrprogramm gehörte dazu.

Der Wechsel des Professors von einer Großforschungsanlage zur Universität Oldenburg im Januar 1992 war nicht leicht. „Ich habe am Anfang Fehler gemacht, weil ich nicht wusste, wie Universität funktioniert“, sagt Rullkötter rückblickend. Am Ende seiner Dienstzeit fällt die Bilanz jedoch ausgesprochen positiv aus. Sein Institut genießt weltweit einen ausgezeichneten Ruf – und er selbst nicht weniger. So wird er auch nach seiner offiziellen Verabschiedung am Freitag weiterhin in dem wissenschaftlichen Beirat tätig sein, der über die Verwendung von jährlich 50 Millionen Dollar wacht, die der Ölkonzern BP zur Wiederherstellung des Golfs von Mexiko aufwendet.

Auch einige Doktoranden wird er noch weiter begleiten, ebenso wie den Bau des neuen Forschungsschiffs „Sonne“. Privat will sich der aus dem Amt scheidende Professor künftig stärker der Musik, dem Garten und dem Reisen widmen. Querflöte, Klavier und Dudelsack sind seine Instrumente. Außerdem wird er weiterhin jedes Jahr ein Rotary-Benefizkonzert im Oldenburger Schloss organisieren.

Während ihm früher auch Schach sehr wichtig war („leider familienunfreundlich“), freut sich er sich jetzt darauf, sich künftig mit einem weiteren Hobby intensiver zu beschäftigen: Wein und Geologie. Schon am Freitag will er bei seiner Verabschiedung den anwesenden Gästen zu diesem Thema einige Grundlagen vermitteln.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055
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