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KRIEGSGRÄBERFÜRSORGE „Bereitschaft ist ungebrochen“

Von Hans Drunkenmölle

Frage:

Herr Neumann-Silkow, der Volksbund hat seine traditionelle Haus- und Straßensammlung gestartet – gelingt es Ihnen noch immer, dafür ausreichend freiwillige Helfer zu gewinnen?

Neumann-Silkow:

Die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement für den Volksbund ist ungebrochen; dafür sind wir sehr dankbar. Im vergangenen Jahr haben in den 247 Ortsverbänden in Weser-Ems rund 1100 Schülerinnen und Schüler sowie 300 Soldatinnen und Soldaten mitgemacht. Das Sammelergebnis von rund 358 000 Euro konnte sich sehen lassen; der Bezirk lag damit bundesweit in der Spitzengruppe. An diesem Wochenende sammeln übrigens viele Prominente in den Zentren der größeren Städte der Region

.

Frage:

Die Spenden sind nur ein Teil Ihres Jahrestats . . .

Neumann-Silkow:

. . . insgesamt verfügen wir über 1,26 Millionen Euro, denn zu den Spenden kommen u. a. noch Mitgliedsbeiträge und Spenden, Zuwendungen von Gemeinden und Kirchen sowie Nachlässe hinzu.

Frage:

Was machen Sie mit dem Geld?

Neumann-Silkow:

Das wird der Volksbund-Bundesgeschäftsstelle in Kassel überwiesen, die damit die Kriegsgräberfürsorge insbesondere im Ausland finanziert. Dabei handelt es sich eigentlich um eine staatliche Aufgabe; der Staat trägt jedoch nur zehn Prozent der Gesamtkosten.

Frage:

Wo überall ist der Volksbund tätig?

Neumann-Silkow:

Wir betreuen 840 Kriegsgräberstätten in 44 Staaten West- und Osteuropas, davon allein 380 in Osteuropa. Allein seit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989 haben wir in Osteuropa 450 000 Kriegstote gefunden, die auf von uns gebaute große Kriegsgräberstätten umgebettet worden sind. Wir schließen dazu bilaterale Verträge mit den Staaten Osteuropas ab.

Frage:

Um die Kriegsgräberstätten hierzulande kümmern Sie sich nicht?

Neumann-Silkow:

Nein, denn die werden von den Gemeinden instand gehalten und finanziert – diese klare Trennung ist gesetzlich geregelt. Wir sind aber beratend für die Gemeinden tätig.

Frage:

Sie haben Ihre Jugendarbeit offenbar mit großem Erfolg intensiviert . . .

Neumann-Silkow:

. . . ein besonderer Höhepunkt war der Friedenstag 2005 in Cloppenburg. Da haben wir Schüler und Lehrer aller allgemein- und berufsbildenden Schulen in Weser-Ems gebeten, aus ihrer Sicht zu berichten, was am Ende des Krieges und danach in ihrer Region geschehen ist. Daraus ist eine ganz bewegende Ausstellung entstanden mit Projekten von 51 Schulen; das war ein hervorragendes Stück Arbeit für Frieden und Versöhnung.

Frage:

Sie tragen dieses Thema also ganz gezielt in die Schulen der Region?

Neumann-Silkow:

Dafür ist unsere Schulreferentin zuständig. Wir haben mittlerweile 340 Kontaktlehrer, die mit uns zusammenarbeiten. Mindestens zwei Mal im Jahr organisieren wir Studienfahrten für Lehrer zu Kriegsgräberstätten nach Holland und Belgien und zusätzlich in diesem Jahr zum Golm auf Usedom. 2004 haben wir bundesweit 7000 Schüler – davon 300 aus Weser-Ems – gehabt, die entweder an einem Aufenthalt in einer unseren Jugendbegegnungsstätten im In- oder Ausland teilgenommen oder in einem von 40 angebotenen Workcamps gearbeitet haben.

Frage:

Welche Rückmeldungen bekommen Sie danach?

Neumann-Silkow:

Lehrer haben berichtet, dass sie Schüler im Anschluss kaum wiedererkannt haben – so beeindruckt waren die. Die Jugendlichen haben Gräber von Menschen gesehen, die so alt wie sie selber waren, als sie gestorben sind. So eine Erfahrung ist aktive Friedenserziehung. Man kann nicht nur in Klassenzimmern vom Frieden reden. Wir müssen die Jugendlichen auch an Orte kriegerischer Konflikte führen.

Gedenken zum

Volkstrauertag

• Die traditionelle

Sammlung

des Volksbundes findet vom 12. bis 20. November statt.•

Die zentrale

Gedenkfeier des Volksbundes zum Volkstrauertag beginnt am Sonntag, 13. November, 11.30 Uhr, im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters.•

Die Gedenkrede

hält Dr. Jörg Bleckmann, Vorstandssprecher der OLB.
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