Hannover - Rund 8000 Lehrer haben in Hannover ihrem Ärger über die von der niedersächsischen Landesregierung beschlossene Mehrarbeit Luft gemacht. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) wurde am Donnerstag vor ihrem Ministerium mit Pfiffen und Buh-Rufen begrüßt. Der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eberhard Brandt, sagte: „Die Landesregierung hat gute Reformen vor, aber an einer Stelle werden wir grantig.“ Die Lehrer wollten nicht den Buckel hinhalten, wenn nicht genug Geld für die Reformen vorhanden sei.
Nach den neuen Plänen sollen Gymnasiallehrer von Sommer 2014 an 24,5 statt 23,5 Stunden pro Woche unterrichten. Zudem sollen geplante Stundenreduzierungen für ältere Kollegen an allen Schulformen entfallen.
Ungeachtet der lautstarken Proteste der Lehrer verteidigte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) ihre Reformpläne für die Bildungspolitik im Landtag. „Es ist ein vertretbarer und notwendiger Beitrag“, sagte die Ministerin. Das Stundenpensum der Gymnasiallehrer werde an das Niveau in Gesamtschulen angepasst, sagte sie. CDU und FDP stellten sich in der Debatte hinter die Lehrerproteste.
Die Landesregierung spart mit der Mehrbelastung der Lehrer nach eigenen Angaben jährlich 80 Millionen Euro, die im Kultusetat an anderer Stelle ausgegeben werden. Bis 2017 sollen zusätzlich rund 420 Millionen Euro in den Kultusbereich fließen.
„Die Lehrkräfte muss man vor unserer Landesregierung wirklich schützen“, kritisierte der CDU-Landtagsabgeordnete Kai Seefried. Der FDP-Abgeordnete Björn Försterling warf Heiligenstadt vor: „Sie haben keine Ahnung, wie es in den Schulen aussieht.“
Die Regierungsparteien hielten der schwarz-gelben Opposition im Gegenzug Versagen in der Bildungspolitik der vergangenen Jahre vor. Es sei unglaubwürdig, wenn die CDU den Lehrern nun zur Seite springe, meinte der SPD-Abgeordnete Christoph Bratmann.
