Hannover/Oldenburg - Neuer Schwung für Ganztagsschulen in Niedersachsen: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) unterzeichnete am Montag eine bislang einmalige Rahmenvereinbarung mit sechs niedersächsischen Kommunen, Oldenburg, Osnabrück, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg und Hannover. Dadurch soll das komplizierte Zusammenspiel von Land, Kommunen und den vielen beteiligten Partnern wie Vereine, Musikschulen, Jugendhilfe, Umweltverbände, Kirchen und Wohlfahrtsverbände deutlich vereinfacht werden. Profitieren werden besonders „Ganztagsgrundschulen“, kündigt sie an.
„Ein extrem wichtiger Schritt“, lobt Braunschweigs Oberbürgermeister (OB) Ulrich Markurth: „Endlich haben wir Rechtssicherheit.“ Oldenburgs Schulrätin Dagmar Sachse (Heiligenstadt: „eine maßgebliche Initiatorin der Vereinbarung“) will zum neuen Schuljahr „alle Verträge nach dem vorliegenden Mustervertrag gestalten“. Denn Probleme liegen oft in vielen Details der Zusammenarbeit zwischen Schulträgern und den Partnern, die vielfach den Nachmittagsteil gestalten. Wer hat wem etwas zu sagen? Wie sieht es arbeitsrechtlich aus – beispielsweise bei Honorarverträgen?
In Oldenburg machen sieben von 28 Grundschulen ein Ganztagsangebot. „Wir werden uns jetzt mit der Frage beschäftigen, sollen alle Ganztagsgrundschulen werden“, kündigt Schulrätin Sachse intensive Beratungen an. „Denn die Schulen“, so Sachse, „entwickeln sich immer mehr vom Lern- zum Lebensort.“ „Im Herbst“ soll das Ergebnis der Überlegungen in Oldenburg vorliegen. Denn natürlich geht es auch um Geld. Eine Ganztagsgrundschule kostet zwei bis zehn Millionen Euro mehr pro Jahr – je nach Umbauaufwand. In Wolfsburg sind dennoch von 22 Grundschulen bereits 21 Ganztagsgrundschulen.
Kultusministerin Heiligenstadt will das Tempo in Richtung Ganztagsschulen flächendeckend beschleunigen. Als die Landesregierung 2013 anfing, „besuchten 35 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule. Zurzeit liegt diese Quote schon bei 41 Prozent“, bilanziert die Ministerin. Angebote gibt es schon an 60 Prozent aller Schulen. Und 260 Millionen Euro will die Kultusministerin, bis zum Ende der Legislaturperiode ausgegeben haben, für ein noch besseres Angebot. Dabei gilt für Heiligenstadt das Prinzip: „Die Schulleitungen gestalten auf Grundlage ihrer eigenen Konzepte den Ganztag.“
„Ganztag ist das Modell der Zukunft“, pflichtet OB Markurth bei: „Diese Entwicklung ist noch längst nicht zu Ende.“
