Wilhelmshaven - /cn – „Ich habe das Gefühl, ganz Wilhelmshaven arbeitet hier mit“, begrüßt Barbara Rossié, Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule Wilhelmshaven, das Premierenpublikum in einer zum riesigen Theatersaal verwandelten Nordfrost-Arena. Und Bürgermeister Holger Barkowsky traut seinen Augen nicht: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Nordfrost-Arena so gut aussehen kann.“
Farbenfrohes Reich
Kann sie, zumindest dann, wenn Schüler der Berufsbildenden Schule Friedenstraße Bühnenbau und -malerei kreativ in die Hand nehmen. Vor farbenfroher Kulisse präsentiert Hannah Hampelfrau ihr Reich: eine Spielzeugfabrik mit Showtreppe, nicht nur einer, links und rechts flankieren Balustraden weitere Bühnenflächen, die Platz bieten für singende, tanzende Revuegirls und – wenn schon groß, dann richtig groß – auch gleich für ein ganzes Orchester. Natürlich drängen sich Bilder von Willy Wonka auf, der hysterische Schokoladenmann, gespielt von Jonny Depp. Aber Alina Oetken verkörpert die Hampelfrau mindestens genauso so ambivalent und kindlich unberechenbar, wie es eben diese Rolle verlangt. Durchgängig spielt sie zwei Stunden präzise den herrlich durchgeknallten Spielzeugfabrikanten, für den ein graues Haar Grund genug ist, den Ruhestand einzuläuten. Potenzielle Nachfolger werden mit Hilfe von goldenen Karten in Wundertüten gesucht.
Dabei ist die gesamte Inszenierung von Sabrina Alexiadis eine einzige, überwältigende Wundertüte mit schier unerschöpflichem Potenzial und selten gesehener Kostümpracht. Ein ganzes Tierreich lässt sie aufmarschieren, von der Schnecke bis zur Mini-Giraffe, Sternenkinder, Feen, Balletteusen.
Die Geschichte selbst wird zum Lehrstück und zeigt, was im Leben wirklich zählt. Denn nur der bescheidene Charlie hat das Zeug zum Nachfolger. Bestärkt durch ewig bettlägerige Großeltern, die sich zu viert ihr Lager teilen, sticht er seine verwöhnten, verfressenen, zickigen Mitstreiter aus. Sie bekommen beim Rundgang deftige Lektionen erteilt und werden nach und nach von Hampelfraus Angestellten aus dem Volke der Umpalumpas entfernt.
Opulent und herzlich
Keine Minute bleibt ungenutzt, das Auge findet immer neue Reize. Kämpferisch zeigt sich die Kampfsportgruppe Krebser mit spektakulären Variationen. Letztlich aber ist und bleibt „Charlie und die Spielzeugfabrik“ ein opulentes Revue-Märchen, ein zwar parodistisch gebrochenes, aber herzerwärmendes Plädoyer für die Familie.
Mit einem grandiosen Schlussbild à la Walt Disney, Blitzlichtgewitter und donnerndem Applaus findet die Musical-Premiere einen gebührenden Abschluss. Und hier und da wischen sich überwältigte Eltern und Großeltern verstohlen ein Tränchen der Rührung aus den strahlenden Gesichtern.
