Wilhelmshaven - Seit Rolf Klatt die Neuender Schule kaufte, erlebt der Bauunternehmer immer wieder Überraschungen. Nicht immer erfreuliche. Massive Proteste brachten ihn dazu, seine ursprüngliche Umbauplanung so zu verändern, dass die alte Fassade samt der Uhr erhalten bleibt.

Anfang September wurde die Baugenehmigung erteilt. Das Haus, das 2009 nach 134 Jahren Dienstzeit als Schulgebäude ausgemustert wurde, soll künftig vier barrierefreien Wohnungen Platz bieten. Derzeit sei man mit Substanz erhaltenden Maßnahmen beschäftigt. Inzwischen weiß Klatt: Die Sanierung wird umfangreicher als geplant. Ein privater Käufer wäre vermutlich „schon in die Knie gegangen“. Gleichwohl will er Ende des kommenden Jahres mit dem gesamten Komplex fertig sein.

An der Schule Kathrinenfeld sind die Baumaschinen längst abgezogen. Nach Büros und Praxen zieht demnächst die Wilhelmshavener Niederlassung eines Oldenburger Büroausstattungsunternehmens ein. Die 1894 errichtete Schule war vor vier Jahren geschlossen worden wie auch die Grundschule Allerstraße. Dort versucht die Firma Bakir Immobilien seit gut zwei Jahren, neues Leben in das 127 Jahre alte Gemäuer zu bringen. Die ursprünglichen Pläne platzten infolge der Finanzkrise. Die große Zahl leerstehender Immobilien, aber auch die Aktivitäten nicht unbedingt seriöser Projektentwickler machen es laut Nurhayat Bakir nicht leicht, eine neue Nutzung zu verwirklichen. Nun wird neu geplant. Ob das Schulgebäude aus Kaisers Zeiten erhalten bleibt, scheint jedoch fraglich. Zu allem Ungemach hätten ungeachtet aller Sicherungsmaßnahmen Unbekannte die Kupferrohre aus den Wänden gerissen.

Nichts mehr zu sehen ist seit einiger Zeit von dem 2003 verlassenen Gebäude der katholischen Ansgarischule. Der aus dem Jahr 1895 stammende Klinkerbau musste dem neuen Parkplatz des St.-Willehad-Hospitals weichen, damit daneben zur Rheinstraße hin ein neues Pflegeheim gebaut werden kann.

2010 wurde die Ansgarischule mit der Elisabethschule in Fedderwardergroden zusammengelegt und hat seitdem als Katholische Grundschule St. Martin im sanierten Schulgebäude an der Oldeoogestraße ihren Einzugsbereich im gesamten Stadtgebiet. Zwischen 2003 und 2010 hatte sie ihr Quartier im Gebäude der zuvor aufgelösten Ruselerschule in Bant. Das steht seither ebenso leer wie das ehemalige Schulgebäude an der Albrechtstraße, das nach seiner Fertigstellung zunächst 1940 als Hilfskrankenhaus genutzt wurde. Es gebe immer wieder Interessenten und auch Reservierungen, berichtet Oliver Leinert, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Grundstücke und Gebäude der Stadt (GGS). Unterschriftsreife Verträge gibt es nicht.

Leinert ist jedoch zuversichtlich, was die Vermarktung der aufgegebenen Schulgrundstücke angeht. Die möglichen Käufer stünden zwar nicht Schlange. Das Beispiel der so genannten ehemaligen Puddingschule an der Marktstraße-West zeige aber, dass es auch nach langer Wartezeit noch eine Erfolgsgeschichte geben könne.