Cloppenburg - Deutliche Kritik hat der Oldenburger Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Heinrich Ricking mit Blick auf die Inklusion an Schulen an der niedersächsischen Landesregierung geübt Während eines Pressegesprächs anlässlich der Niedersächsischen Caritas-Tagung „Vielfalt in der Schule. Unterwegs zum gemeinsamen Unterricht“ am Dienstag in der Katholischen Akademie Stapelfeld in Cloppenburg stellte Ricking klar, dass die von der Landesregierung gestarteten Initiativen und Gesetzesnovellen zwar gut seien, allerdings viel zu spät kämen. „Niedersachsen ist bei der Inklusion Schlusslicht“, stellte er klar.
Sonderpädagogen seien bereits früher Mangelware gewesen, nun habe sich die Situation weiter zugespitzt – „und das war absehbar“, so Ricking. Bis alle Schulen mit Sonderpädagogen ausgestattet sind, um landesweit einen inklusiven Unterricht anbieten zu können, prognostizierte er „eine Durststrecke von fünf bis zehn Jahren“, auch wenn sich allmählich Fortschritte einstellten.
„Ich kann dieser Kritik nichts entgegenbringen“, gestand Claudia Schröder, stellvertretende Staatssekretärin des niedersächsischen Sozialministerium. Sie bestätigte Rickings Angaben und betonte, dass sich die Weiterbildungen, aber auch die Lehrerausbildung insgesamt verändern müsse, um die Pädagogen auf ihre Arbeit besser vorzubereiten. Und sie räumte ein, dass Niedersachsen seinen Bedarf an Sonderschullehrern nicht allein decken könne. „Wir wildern in anderen Bundesländern.“
In Niedersachsen gibt es laut Ricking etwa 50 000 Kinder mit Förderbedarf. Erfahrungen aus Nordamerika und Skandinavien habe gezeigt, dass es auch möglich sei, bis zu 80 Prozent der Schüler mit Förderbedarf in einer allgemeinbildenden Schule zu unterrichten. In diesen Ländern sei die Förderquote zwei bis drei Mal so hoch wie in Deutschland.
Um die Inklusion weiter voranzubringen, müsse vor allem an der Haltung der Deutschen gearbeitet werden, so Ricking. Gleichzeitig gelte es, Inklusion an Schulen langsam und vorsichtig umzusetzen, um für jedes Kind die besten Voraussetzungen zu schaffen.
