NORDENHAM - NORDENHAM - Als sich die Abiturienten des Jahrgangs 1969 im großen Saal der „Friedeburg” zum Abiball versammelten, saß der Jahrgangsbeste schon im Flugzeug nach Berlin. Björn Dämpfling konnte es nicht erwarten, der Freiheit näher zu kommen. „Das hatte aber nichts mit Nordenham und dem Gymnasium zu tun”, sagt der heute 56-Jährige Doktor der Ökonomie.
„Ich habe das Gymnasium immer als wirklich gute Schule empfunden”, resümiert Dr. Dämpfling. „Wir lebten zwar in der Provinz, aber es war kein provinzielles Gymnasium.” Einige Male im Jahr kommt Dämpfling nach Nordenham, um seine Mutter zu besuchen. Im April war er hier, weil der Kunstverein Nordenham eine Ausstellung mit digitaler Grafik und Fotografien von ihm im Alten Rathaus organisiert worden ist.
Dämpfling hat das Gymnasium als leistungsorientierte und liberale Schule in Erinnerung. „Ich hatte kein spezielles Fach”, erzählt er. „Ich kann eher Sachen benennen, die mich nicht interessieren.” So ließ er sich in der Mittelstufe von dem Zehntklässler Harald Prasse für das Schachspiel gewinnen. Zwei Jahre lang übte er mit ihm an jedem Sonnabend sechs Stunden lang, ehe er der Mannschaft des Gymnasiums beitrat, die mit einem Team aus Oldenburg zur regionalen Elite gehörte. Außerdem war er im Fechtverein aktiv, dem überwiegend Gymnasiasten angehörten. Beides gab er nach dem Abitur auf.
An den Kunstunterricht bei Kurt Lemke hat Björn Dämpfling die besten Erinnerungen. „Er hat mir kompletten Freiraum gegeben und mich machen lassen”, erzählt der 56-jährige Berliner. „Das war die beste Förderung, die er mir angedeihen lassen konnte.” So musste er sich um das lästige Abzeichnen nicht scheren und durfte sich in der privaten Kunst-Bibliothek seines Lehrers umtun. Dort lernte er alles kennen, was in der Kunst damals Bedeutung hatte. „Als ich aus Nordenham wegging, lagen 30 Bände aus seiner Bibliothek bei mir.”
Obwohl er schon damals viel zeichnete und malte, kam ein Kunststudium für ihn nicht in Frage, denn „mich hat an der Kunst immer das interessiert, was man nicht lernen kann.” Er entschied sich für ein Studium der Politikwissenschaften. Auch dafür waren die Anlagen in der Oberstufe gelegt worden. Wegen seiner guten Leistungen wurde er – wie einige andere auch – mehrfach vom Unterricht freigestellt, damit er im Jugendhof Steinkimmen Politik- und Kunstkurse besuchen konnte. Zudem hatte er als Zwölftklässler in einer Diskussionsveranstaltung für Abiturienten in der Aula gegen die Notstandsgesetze argumentiert – als Widerpart seines Gemeinschaftskundelehrers Fritz Eissel. „Das hat mich meine Eins gekostet”, erzählt er.
Doch auch mit einer Zwei führte ihn sein Lebensweg bis an die amerikanischen Elite-Universität Harvard.
