Im Landkreis Leer sind rund 5800 Rabenkrähen in Fallen gefangen und per Kopfschlag getötet worden. Im Rahmen eines Forschungsprojektes soll herausgefunden werden, ob durch die Reduzierung der Krähen der Bestand gefährdeter Wiesenbrüter gestärkt werden kann. Das Projekt hat heftige kontroverse Diskussionen ausgelöst. In der NWZ stellen Agrarminister Hans-Heinrich Ehlen (CDU) und Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, ihre Position dar.
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NWZ/REGION/2
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„Notwendige
Forschung“
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NWZ/REGION/2
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Von Hans-Heinrich Ehlen
Vielerorts sind die Besätze von Kiebitz, Schnepfe, Bekassine, Rebhuhn, Brachvogel, Goldregenpfeifer und anderen Tierarten so gefährdet, dass ohne wirkungsvolle Gegenmaßnahmen einige davon in den nächsten Jahren in unserer Region nicht mehr da sein werden. Sicherlich haben veränderte landwirtschaftliche Produktionsmethoden, Landschaftsumgestaltungen und natürlich auch vierfüßige Nesträuber wie Marder, Katzen und Füchse ihren Anteil daran. Aber eben auch Rabenkrähen tragen durch intelligente und effiziente Jagdstrategien dazu bei, dass die Nester und die Jungtiere bodenbrütender Vögel dezimiert werden. Und jeder, der mit offenen Augen durch unsere Landschaften und Städte und Dörfer geht, wird feststellen, dass Rabenkrähen in den letzten Jahren immer mehr geworden sind.Um die nahe liegende These zu beleuchten, dass Rabenkrähen mit für das Verschwinden der heimischen bodenbrütenden Vögel verantwortlich sein können, ist eine Untersuchung unter wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover gestartet worden. Dabei soll geprüft werden, ob der Fang von Rabenkrähen mit einer großen Falle effizient, tierschutzgerecht und praktikabel ist. Dazu kommen Erhebungen, wie sich die Bestände der potentiellen Beutearten während des Einsatzes dieses norwegischen Krähenfanges entwickeln.
Meiner Auffassung nach ist es die Pflicht seriöser Forschung, solchen Fragen unaufgeregt nachzugehen. Und hier geht es ausschließlich darum, mit wissenschaftlichen Methoden zu Erkenntnissen zu gelangen. Viel ehrenamtliches Engagement, viel (Steuer-)Geld und Herzblut wird in den Schutz der immer weniger werdenden bodenbrütenden Vögel investiert. Wollen wir diese Tiere weiter erhalten, müssen wir jetzt etwas durchgreifend und fundiert tun, sonst sind alle Forderungen und Förderung für bedrohte Vögel nur Schauinszenierungen. Mit emotionalen Begriffen, wie „Vogelmord" und „Massentötungen" und anderen, sicherlich sehr spendengeldfördernden Schlagworten kommen wir in dieser Debatte nicht weiter. Wenn jedes emotional kritisierte Forschungsprojekt durch die Politik eingestellt würde, dann gäbe es keine Forschung mehr - egal in welche Richtung.
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„Tötung ohne
einen Grund“
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NWZ/REGION/2
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Von Wolfgang Apel
Die Tötung von Rabenvögeln geschieht ohne vernünftigen Grund. Das von der Politik in die Öffentlichkeit getragene Argument, es gehe um „wissenschaftliche Forschung zum Schutz bedrohter Arten", ist vorgeschoben.Tausende Rabenkrähen und Elstern haben die ostfriesischen Jäger in Massenfallen gefangen und erschlagen - in Fallen, die in der EU (auch in Deutschland) grundsätzlich verboten sind, denn sie wirken nicht selektiv. Unzählige andere Vögel, auch artgeschützte, gelangen in diese Fallen und leiden erheblich.
Die angeblich wissenschaftlichen Argumente sind Nebelbomben interessierter Kreise der Jägerschaft, denen es, wie sie in ihrem Antrag deutlich schreiben, nur darum geht, einen verbotenen Fallentyp landesweit zu legalisieren.
Abgesehen davon: Der Einfluss von Rabenvögeln auf Wiesenvögelbestände wird überschätzt. Biologen konnten z.B. belegen, dass die Gelege nächtens durch andere Beutegreifer geleert werden. Rabenvögel schlafen nachts. Sie scheiden als „Hauptverdächtige" für den „Wiesenvogelschwund" aus. Begleitende Verhaltensstudien zeigen auch, dass sich die Wiesenbrüter durchaus gegen Beute-greifer und Rabenvögel zu wehren wissen, während sie gegenüber Nachträubern praktisch keine Chance haben.
Die Bedrohungssituation heimischer Wiesenvögel ist in viel stärkerem Maße auf Lebensraumveränderungen und intensivierte Landnutzungen zurückzuführen. Nicht nur die bis Januar 2005 tätige landeseigne Naturschutzfachbehörde, auch der Tierschutzbeirat des Landes Niedersachsen hat sich gegen dieses Projekt ausgesprochen. Drei namhafte, unabhängige Rabenvogelexperten legen in einem Gutachten die enorme Tierschutzrelevanz des genutzten Fallentyps dar. Auch die höchste Naturschutzbehörde Deutschlands stützt die Tierschutzargumente. Landwirtschaftsminister Ehlen wurde bereits mehrfach aufgefordert, das Krähenprojekt einzustellen, da es „unnötig" und „wissenschaftlich zweifelhaft" sei.
Nun ist Hans-Heinrich Ehlen als Tierschutzminister, der er in seiner Amtsfunktion nun einmal ist, gefordert dem Ganzen ein Ende zu setzen. Der Deutsche Tierschutzbund hat Strafanzeige gegen die Beteiligten erstattet und bereitet eine offizielle Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof vor.
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