OLDENBURG - In den Schulen müsse mehr ökonomisches Wissen vermittelt werden, sagt der Wissenschaftler. Der Prozess erweise sich als ziemlich zäh.
Von Hans Drunkenmölle
OLDENBURG - Die Einführung eines Lehramts-Studienganges „Politik und Wirtschaft“ an Universitäten hat der Oldenburger Professor Dr. Hans Kaminski gefordert. Dies sei eine wichtige Voraussetzung dafür, ökonomisches Wissen als festen Bestandteil einer modernen Allgemeinbildung an den Schulen zu etablieren, sagte der Wissenschaftliche Leiter des Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) am Rande einer in Kooperation mit der Universität Münster organisierten bundesweiten Fachtagung in Oldenburg. Wenngleich die IÖB-Initiative bei der Landesregierung und der Universität Oldenburg prinzipiell auf positive Resonanz stoße, sei eine schnelle Realisierung insbesondere aus finanziellen Gründen derzeit schwierig, bedauerte Kaminski: „Wir werden dennoch weiter dicke Bretter bohren.“Ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zur Einrichtung eines eigenen Faches Wirtschaft in der Sekundarstufe I der Gymnasien sei das Kompromissfach „Politik und Wirtschaft“, das in Niedersachsen ab Sommer ab der 8. Klasse mit zwei Wochenstunden unterrichtet werden soll. Damit werde die Vermittlung ökonomischer Kompetenz „verpflichtender Teil des Unterrichts“. Dies bedeute auch, dass ökonomische Bildung quasi eigenständig und nicht mehr „Kostgänger anderer Fächer“ sei, was letztlich zu ihrer „Eliminierung“ führen würde, sagte Kaminski. Der bevorstehende Übergangsprozess müsse „von allen Seiten gestützt werden“. Das IÖB werde ihn u. a. mit Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrer unterstützen, um diese für die Anforderungen neuer Lehraufgaben fit zu machen. Dies geschieht in Kooperation mit dem Kultusministerium und dem Niedersächsischen Landesinstitut für Lehrerbildung in Hildesheim.
Der Wissenschaftler plädierte für eine Vereinbarung aller Bundesländer, in der grundsätzliche „Eckdaten“ ökonomischer Allgemeinbildung festgelegt werden. Darüber hinaus müsse Spielraum für länder- oder regionalspezifische Aspekte bleiben. Dieser Abstimmungsprozess gestalte sich vor allem deshalb recht zäh, „weil der Kulturföderalismus in Deutschland bisweilen fröhliche Urständ feiert“, kritisierte Kaminski bei der von der Bertelsmann Stiftung geförderten Tagung.
Infos auch unter www.ioeb.de
