OLDENBURG - „Ich war unzufrieden mit meiner Tätigkeit. Ich möchte etwas Anspruchsvolles machen – mit Perspektive“, sagt Severine Haase. „Es war ein langer Entscheidungsprozess. Ich habe erst ein Fernstudium begonnen. Das war aber nichts“, erzählt auch Melanie Ebkens. Beide Frauen eint, dass sie Kind und Familie haben – und jetzt als Erwachsene das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg am Oldenburg-Kolleg nachholen.

Insgesamt 227 Frauen und Männer ab dem 19. Lebensjahr aus dem ganzen Nordwesten haben sich für diesen Schritt aus den unterschiedlichsten Gründen entschieden, drei Jahren lang als Kollegiatinnen und Kollegiaten die Schulbank zu drücken und in der Oberstufe ihr Abitur zu machen, darunter 21 Frauen und Eugen Lange als einziger Mann, die ein Kind versorgen.

„Ich habe erst gewartet, bis die Kinder selbstständiger wurden und in die Schule gehen. Dann war es soweit“, berichtet Dorota Weger. „Wir helfen uns manchmal gegenseitig bei Latein“, ergänzt ihr Sohn Jakob (11), der im Sommer zum Gymnasium gewechselt ist und es „ganz gut“ findet, dass seine Mutter das Kolleg besucht.

Der Entschluss, künftig wieder morgens um 7.50 Uhr zur Schule zu gehen, ist der eine Schritt. Das größte Problem aber wartet noch: Wer kümmert sich in der Zeit um die Kinder? Das Kolleg hilft da beratend, ist flexibel bei der Stundenplangestaltung. Wenn dann mit Hilfe der Arbeitsagentur die Betreuung sichergestellt und ein Krippenplatz oder eine Tagesmuttergefunden ist, steht auch die letzte Hürde nicht mehr im Weg. Und motiviert sind die Mütter: „Sie sind meist besser organisiert, belastbarer, arbeiten oft planvoller und zielorientiert“, weiß Schulleiter Bernd Beime.