OLDENBURG - Der Moment hat etwas von einer historischen Stunde. Drei Professorinnen der Universität Oldenburg und zwei Vertreterinnen der jüdischen Gemeinde präsentieren ein gemeinsames Studienangebot. Ab Wintersemester sollen Studierende die Möglichkeit haben, ein Zertifikat „Interkulturelle Jüdische Studien“ zusätzlich zum Masterabschluss zu erwerben.
Alina Treiger, Rabbinerin für die Gemeinden in Oldenburg und Delmenhorst, ist sich der Bedeutung des Augenblicks bewusst: „Das ist ein großes Zeichen. Es macht deutlich, dass wir uns hier sicher fühlen und uns frei entwickeln können.“ Gemeinsam mit dem niedersächsischen Landesrabbiner Jonah Sievers und anderen Referenten wird sie Teile des neuen Programms gestalten.
Ziel ist es, den Studierenden Einblicke ins jüdische Leben der Vergangenheit und Gegenwart zu ermöglichen. Uni-Vizepräsidentin Prof. Dr. Gunilla Budde spricht von einem „einzigartigen Pilotprojekt“. Bei dem Angebot handele es sich nicht um Randgruppenforschung, sondern um eine besondere Möglichkeit, sich zusätzlich für bestimmte Aufgaben zu qualifizieren. Budde: „Wir wollen kulturelle Mittler ausbilden, die in der Lage sind, Brücken über die Grenzen der Kulturen und Generationen zu schlagen.“
Die Professorinnen Dr. Andrea Strübing und Dr. Dagmar Freist entwickelten das Programm in enger Zusammenarbeit mit dem Leo-Trepp-Lehrhaus der jüdischen Gemeinde in Oldenburg. Die Vorsitzende der Gemeinde, Sara-Ruth Schumann, freut sich über die Zusammenarbeit: „Mit der Gründung des Lehrhauses und der Kooperation sind wir aus den Kinderschuhen herausgewachsen.“ Die jüdische Gemeinde sei froh, sich gemeinsam mit der Uni zum Wohle der Menschen einsetzen zu können.
Neben der wissenschaftlichen Ausbildung ist vorgesehen, den Studierenden die Möglichkeit zu geben, als Praktikanten das Leben innerhalb der jüdischen Gemeinschaft kennenzulernen.
Das Leo-Trepp-Lehrhaus ist von der Jüdischen Gemeinde zu Oldenburg eingerichtet worden. Mit dem Lehrhaus will die Gemeinde ihrem letzten Landesrabbiner ein lebendiges Andenken bewahren und seine vorbildlich weltoffene Lehrtätigkeit fortsetzen.
Prof. Dr. Dr. Leo Trepp wird als Botschafter der Versöhnung angesehen. Er lebte von 1913 bis 2010 und war unter anderem Ehrenbürger der Stadt Oldenburg sowie Ehrendoktor der Universität Oldenburg.
