OLDENBURG - Rund 3000 Lehrern und Erziehern werden 230 Veranstaltungen angeboten. Im Mittelpunkt stehen Qualitätsverbesserungen im Unterricht.
Von hans Drunkenmölle
OLDENBURG - Kontinuierliche Lehrerfortbildung müsse zur Pflicht werden, damit veränderte Bildungsstandards im Unterricht auch erfolgreich vermittelt werden können. „Wir haben noch keinen Wandel in der Lernkultur, da müssen wir die Lehrer noch professionalisieren“, sagte die Erziehungswissenschaftlerin Professorin Dr. Claudia Solzbacher (Osnabrück) bei der Eröffnung der 22. Pädagogischen Woche gestern in der Universität Oldenburg.An der bis zum 30. September dauernden Tagung nehmen rund 3000 Lehrer und Erzieher teil, denen zum Thema „Lernen im Unterricht“ 230 Veranstaltungen angeboten werden. Das am meisten interessierende Thema: „Störungen im Unterricht“.
Es müsse „neues Nachdenken über die Qualität des Lernens“ geben, forderte der Oldenburger Schulpädagoge Professor Dr. Hilbert Meyer, für den Klarheit in den Inhalten, in der Strukturierung und den Leistungserwartungen wichtige Merkmale guten Unterrichts sind. Hinzu komme ein lernförderndes Klima und eine vorbereitete Lernumgebung, die zusammen mit Methodenvielfalt individuelles Lernen und intelligentes Üben ermöglichen.
Als eine wichtige Voraussetzung für die Verbesserung des Unterrichts müssten Standards für die Lehrerausbildung entwickelt und fortgeschrieben werden, sagte Meyer: „Es gibt neue Anforderungen, auf die Lehrer während ihres Studiums nicht vorbereitet worden sind. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass die heutige Lehrerausbildung das genau trifft, was an Wissen in 20 Jahren erforderlich ist.“
Die Diskrepanz zwischen der Praxis der Schulreform und der Lehrerausbildung wird nach Ansicht von Dr. Falk Rieß, der das Didaktische Zentrum der Universität leitet, immer größer. Seine Konsequenz: „Die Reform muss stärker an Praxis und Forschung orientiert werden, die Schule muss wieder zum Forschungsfeld werden.“
Und dabei wird sich das Interesse auch auf durch den Zeitgeist veränderte Schüler konzentrieren, „die alle Probleme der Gesellschaft widerspiegeln“ und Unterricht für Lehrer auch deshalb zur „Kärrnerarbeit“ werden lassen. So sei es an der Grundschule mittlerweile „normal, dass Schüler zunächst erst einmal bildungsfähig gemacht werden müssen“, sagte Solzbacher. Hinzu kämen auch an anderen Schulen vielfältige Probleme, die ihre Ursachen in zunehmender Multikulturalität hätten.
• Bestandteil der „Pädagogischen Woche“ ist die „Elternuniversität“ am 30. September. In ihrem Mittelpunkt steht die Erziehungsverantwortung in Familie, Schule und Gesellschaft.
Das Programm im Internet:
www.diz.uni-oldenburg.de/pwtagung/pw2005/pwstart.htm
Experten fordern: Die Schule muss wieder zum Forschungsfeld werden
