OLDENBURG/GRONINGEN - Die Pläne liegen schon länger in der Schublade. Jetzt scheinen sie allmählich zu reifen. An der Universität Oldenburg ist eine kleine Gruppe von Projektplanern um den Vizepräsidenten für Forschung, Professor Dr. Reto Weiler, darum bemüht, einen medizinischen Studiengang einzurichten.
Gemeinsam mit der Universität Groningen (Niederlande) will die Hochschule in nicht allzu ferner Zukunft Ärzte ausbilden. Die Studenten würden ihre Ausbildung mit einem deutsch-niederländischen Doppelabschluss als Master beenden.
An der Planung sind neben Weiler insbesondere auch dessen Universitätskollege Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier sowie die Medizinprofessoren Dr. Hans-Rudolf Raab (Klinikum Oldenburg) und Dr. Djordje Lazovic (Pius-Hospital) beteiligt. Wenn alles gut läuft, könnte der Studiengang 2010 starten, sagt Weiler am Freitag.
Zuvor hat aber noch der Wissenschaftsrat das Wort. Das Gremium berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder. Es hat die Aufgabe, Empfehlungen zur inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs zu erarbeiten sowie zur Sicherung der internationalen Konkurrenzfähigkeit der Wissenschaft in Deutschland im nationalen und europäischen Wissenschaftssystem beizutragen.
Um genau diese Wettbewerbsfähigkeit geht es bei den Oldenburger Medizin-Wünschen. Sie werden gehegt, seit die Uni 1973 gegründet wurde, hatten bisher aber keine Chance auf Realisierung.
Das soll nun anders werden. Der sogenannte Bologna-Prozess, mit dem die Hochschulausbildung derzeit europaweit angeglichen wird, hat dem Oldenburger Vorhaben im Grunde genommen erst den Boden bereitet. Mit Bologna fallen die verschiedenen Hochschulabschlüsse (Staatsexamen, Diplom, Magister) weg. Stattdessen gibt es nur noch Bachelor- und Masterabschlüsse.
Speziell in der deutschen Ärzteschaft gibt es gegen diese Umstellung teils erbitterten Widerstand. In Oldenburg offenbar nicht. Die drei Kliniken (Pius-Hospital, Klinikum und Evangelisches Krankenhaus) sind bei Weilers Plänen mit im Boot. Und die Universität Groningen als langjährige Partnerin der Oldenburger Uni sowieso: In den Niederlanden ist der Bologna-Prozess schon weitgehend abgeschlossen.
Reto Weiler sieht die Zeit gekommen. Unser Projekt würde ein Zeichen setzen für eine grenzüberschreitende Ausbildung in der Humanmedizin, sagte Weiler der NWZ .
